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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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H  ö  f  1  e  r

Er  befand  sich  in  einer  ähnlichen  Lage  in  Griechenland,  wie
einst  Hannibal  in  Italien,  ohne  Magazine,  ohne  Stützpunkt,  ohne  Verstärkung, ­
  ja  selbst  noch  in  einer  schlimmeren  Lage,  da  die  römischen
Legionen,  welche  von  Italien  herüber  kamen,  ihm  feindlich  waren.
Er  war  5  Jahre  lang  nur  auf  jene  Hülfsquellen  angewiesen,  die
ihm  sein  militärisches  Genie  eröffnete  und  stand  nicht  bloss  einer
fast  uneinnehmbaren,  durch  das  Meer  wie  durch  künstliche  Befestigung ­
  unendlich  starken  feindlichen  Stellung  gegenüber,  sondern  auch
dreien  Heeren,  die  er  hei  ihrem  Herausrücken  festhielt  und  zurückwarf, ­
  hiebei  eine  taktische  Meisterschaft  beurkundend,  die  ihn  den
grössten  Feldherrn  zur  Seite  stellt.  Nicht  bloss  dass  er  den  überlegenen ­
  Feind  auf  hielt,  so  dass  er  von  Griechenland  nicht  nach  Italien
kommen  konnte;  er  warf  ihn  aus  Griechenland  zurück,  drang  selbst
nach  Asien  vor,  zwang  dort  den  König  zur  Herausgabe  seiner  Flotte
wie  seiner  Eroberungen;  er  entwaffnete  ihn,  beraubte  ihn  des  ganzen
Nimbus  göttlicher  Sendung,  mit  welchem  er  auf  die  Hellenen  eingewirkt, ­
  gewann  für  Rom  den  bereits  verlorenen  Orient,  für  sich  aber
den  Ruhm  eines  Wiederherstellers  der  römischen  Weltmacht, ­
  die  vom  Besitze  Asiens  abhing.
Mag  man  das  Schicksal,  welches  den  asiatischen  Hellenen  jetzt
bei  der  römischen  Besitzergreifung  betraf,  noch  so  tragisch  ausmalen, ­
  Sulla  war  auf  Requisitionen  angewiesen  und  Asien  musste
jetzt  die  Kosten  zur  Wiederherstellung  einer  Centralmacht  in  Rom
selbst  gewähren.  Darum  handelte  es  sich  seit  dem  Jahre  83,  als  sich
Sulla  entschloss,  diejenige  Partei  zu  bekämpfen,  die  ihn  als  ihren
Todfeind  behandelt  und  wie  später  jene  Römer,  welche  gegen  C.  Julius
Cäsar  mit  Ariovist  in  Verbindung  standen,  gerne  gesehen  hätten,
wenn  er  von  römischen  und  politischen  Legionen  erdrückt  worden
wäre.
Ausdrücklich  wird  aber  hervorgehoben,  wie  friedlich  das  erste
Auftreten  Sulla's  bei  seiner  Rückkehr  nach  Italien  war,  wie  er  seine
Legionen  ohne  Beschädigung  Anderer  durch  Calabrien,  Apulien  nach
Campanien  führte  <)•  Er  hatte  bereits  eine  folgenreiche  Umwandlung
bewirkt.  Die  Legionen,  die  ihm  als  ihrem  Feldherrn  unbedingten  Ge-*)

  Putares  Sullam  venisse  in  ltaliam  non  belli  vindicem  sed  pacis  autorein.  Veil.
Paterc.  II.  25.
            
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