Aus dem Traumleben der Chinesen.
731
dem und Mänteln von schwarzem Tuche angethan, sich seihst banden.
Dieselben wendeten sich zu Tsung-yuen und schlugen die
Häupter an den Boden, als oh sie um Erbarmen bäten. Am folgenden
Tage zerlegte der Koch zwei Schildkröten. An demselben Abende
träumte Tsung-yuen wieder, dass acht Menschen ihn wie früher um
Erbarmen baten. Tsung-yuen besann sich jetzt. Er gab Befehl, die
Schildkröten nicht zu tödten. In der folgenden Nacht sah er nochmals
im Traume die gestrigen acht Menschen, die herbeikamen, niederknieten
und sich für die Gnade bedankten. Er erschrak jetzt und
kam zu sich. Am folgenden Morgen ging er in das Gebirge Liii und
liess sie frei. Seit dieser Zeit ass er keine Schildkröten mehr.
Yin-tschung-kan, der stechende Vermerker von King-tscheu,
lebte zur Zeit, als er noch leinene Kleider trug, in Tan-tu. Er sah
im Traume plötzlich einen Menschen, der sagte, dass er ein Mensch
von Schang-yü in Kuei-ki sei. Er sei ein Todter und schwimme auf
dem wirbelnden Strome. Am nächsten Tage werde er ankommen. Er
setzte hinzu: Du, o Gebieter, besitzest die Menschlichkeit, welche
den lebendigen Wesen Hilfe leistet. Solltest du wohl im Stande sein,
mich wegzuschaffen? Wenn ich an einen hohen versengten Ort gelangen
könnte, so würde sich die Gnade auf meine vermoderten
Knochen erstrecken. — Am folgenden Tage ging er mit seinen Leuten
an das Ufer des Stromes und blickte hin. Er sah wirkich einen Sarg,
der, von den Finthen getrieben, herabschwamm und in dem Wirbel
bei der Stelle, wo der Mann von demGeschlechte Yin sass, anlangte.
Er gab seinen Leuten Befehl, den Sarg herbeizuziehen. Die Inschrift
stimmte mit dem überein, was er geträumt. Er schaffte ihn sogleich
fort, legte ihn auf die Uferhank und opferte ihm Wein und Speise.
An demselben Abende träumte ihm wieder, dass dieser Mensch herbeikam
und sich für die Gnade bedankte.
Siii-tai von Kia-hing verlor in seiner Jugend seine Eltern. Wei,
sein Oheim von väterlicher Seite, zog ihn auf, und zwar besser, als
dieses die Eltern gethan hatten. Wei erkrankte, und er pflegte ihn
mit grösster Sorgfalt. Um die dritte Nachtwache träumte ihm, dass
zwei Menschen ein Schiff bestiegen und einen Koffer erfassten. Sie
Sitzb. d. phil.-hist. CI. bXIV. Bd. III. Hft. 48