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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Aus  dem  Traumleben  der  Chinesen.

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Erspähunge»  heissen.  Die  erste  heisst:  richtige  Träume.  Die  zweite
heisst:  schreckhafte  Träume.  Die  dritte  heisst:  gedankenvolle  Träume.
Die  vierte  heisst:  wache  Träume.  Die  fünfte  heisst:  freudige  Träume.
Die  sechste  heisst:  hange  Träume.  Diese  sechs  Dinge  sind  es,  mit
denen  die  Götter  sich  verbinden.  Fülle  und  Leere,  Vernichtung  und
Ruhe  des  ganzen  Leibes'  stehen  im  Verkehr  mit  Himmel  und  Erde,
sie  entsprechen  den  Arten  der  Dinge.  Ist  daher  die  Luft  des  Yin
kräftig,  so  träumt  man,  dass  man  über  ein  grosses  Wasser  setzt  und
sich  fürchtet.  Ist  die  Luft  des  Yang  kräftig,  so  träumt  man,  dass  man
über  ein  grosses  Feuer  setzt  und  verbrennt.  Ist  das  Yin  und  Yang  zugleich ­
  kräftig,  so  träumt  man,  dass  das  Leben  getödtet  wird.  Ist  man
an  Schwimmen  und  Leere  erkrankt,  so  träumt  man,  dass  man  sich
ausdehnt.  Ist  man  an  Versunkensein  und  Vollsein  erkrankt,  so  träumt
man,  dass  man  ertrinkt.  Legt  man  sich  auf  den  Gürtel,  indess  man
schläft,  so  träumt  man  von  Schlangen.  Hält  ein  fliegender  Vogel  in
dem  Schnabel  ein  Haupthaar,  so  träumt  man  vom  Fliegen.  Soll  man
sich  verbergen,  so  träumt  man  von  Feuer.  Soll  man  erkranken,  so
träumt  man  von  Speise.  Wein  trinken,  ist  Kummer.  Singen  undTanzen
ist  Wehklage.  Desswegen  kommt  der  Geist  entgegen  und  ist  der
Traum.  Die  Gestalt  trifft  zusammen  und  ist  die  Sache.  Die  wahren
Menschen  des  Alterthums,  wenn  sie  wachten,  vergassen  sie  auf  sich
selbst.  Wenn  sie  schliefen,  träumten  sie  nicht.

An  der  südlichen  Ecke  der  westlichen  Gipfelung  befindet  sich
ein  Reich,  Namens  Ku-mang,  mit  dem  die  Luft  des  Yin  und  Yang  sich
nicht  verbindet,  wo  Hitze  und  Kälte  keinen  Unterschied  machen,  das
der  Glanz  der  Sonne  und  des  Mondes  nicht  erleuchtet,  wo  Tag  und
Nacht  keinen  Unterschied  machen.  Sein  Volk  verzehrt  keine  Speise
und  kleidet  sich  nicht,  aber  es  schläft  viel.  In  fünfzig  Tagen  wachen
die  Menschen  einmal  auf.  Was  sie  im  Traume  thun,  ist  Wirklichkeit.
Was  sie  im  wachen  Zustande  sehen,  ist  eitel.

Der  Mann  des  Geschlechtes  Yün  von  Tscheu  befasste  sich  im
grossen  Massstabe  mit  Erzeugnissen.  Die  unter  ihm  stehenden,  hinzueilenden ­
  Dienstleute  traten  vor  und  gönnten  sich  am  frühen  Morgen  und
am  Abend  keine  Ruhe.  Ein  alter  Handlanger  hatte  die  Kraft  der  Sehnen
            
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