Zur altern tirolisehen Literatur. I.
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zu sein, lassen wir ununtersucht. Vermuthlich wirkten beide Motive
zusammen. Thatsache ist es, dass sie ihn circa 1418 in die Falle
lockte und ihn zum Gefangenen des Landesfürsten machte. Da sie
von ihren Altern her eine Forderung an die Wolkensteiner hatte,
verlangte sie Hauenstein oder 6000 Gulden') und lud Oswald zu
einer Besprechung über diese lange schwebende Angelegenheit nach
Tramin ein, wo sie sich im Herbste auf ihren Gütern aufhielt. Unter
dem Vorwände einer Wallfahrt eilte er dorthin 3 ), wurde von Neidhart,
Frei und Jäger überfallen, gefangen und in den Thurm zu
Entiklar geschleppt, wo sie von ihm 4000 Mark Berner oder Hauenstein
s) forderte. Von dort wurde er später 1421 in’s Gefängniss
nach Innsbruck abgeführt, aus dem er erst im Jänner 1422 entlassen
wurde. Die Klage über ihren Verrath, die Erinnerung an die
schmerzliche Gefangenschaft klingt aus manchem Liede 4 ), z. B.:
die mich vor iaren ouch beslueg
mit grossen eisen niden zu den bainen.
was ich der minn genossen hab,
der mirvil Iaides hett getan,
das laidot mir mein essen. S. 46.
sechs tausend g-uldin wil er han,
die puelschaft kam mich sauer an. S. 49.
mit meines puelen freiint muest ich mich aineh. S. 61.
*) Weber, Friedrich 356. Osw. Gedichte S. 12.
2 ) Au fl' wolgetrawen ich mich verschoss
zu ir von rechter liebe gross,
des hab ich mangen herten stoss
des selben gang’s erlitten.
Do ich ir kirchfart übersach,
die si wolt reiten, als si sprach,
kain hailg hett irs’s geschriben nach,
hett si die fart vermitten.
Doch hab ich es also betracht,
die rais wer mir zu guet erdacht,
wann hett si mich gen himel bracht,
so müsst ich dort für si bitten,
dorumh das si mir an gever
mit ainer boyen michel swer
die schinpain freuntlich hin und her
hiess reihen ane sitten. S. 46. vrgl. das ganze Gedicht N° VII.
3 ) S. 47.
4 ) S. 46. 48. 61. 252. 258.