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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Z  i  n  g-  e  r  I  e

zu  ihr  hingerissen.  Sie  aber  konnte  gegen  den  frühgealterten,  einäugigen ­
  Dichter,  dessen  Haare  schon  grauten,  keine  wahre  Neigung
empfinden,  die  Verehrung  des  vielgewanderten,  berühmten  Helden
schmeichelte  aber  ihrer  Eitelkeit.  So  entspann  sich  von  ihrer  Seite
jenes  Spiel  von  scheinbar  liebender  Hingabe  und  Schmollen,  das
Oswald  so  treffend  im  Gedichte,  worin  er  die  Geliebte  mit  den  Monaten ­
  vergleicht,  uns  schildert').  Dass  sie  ihm  manchmal  nicht  nur
gewöhnliche  Liebesgunst  gewährte,  scheint  aus  seinen  Gedichten
sich  sicher  zu  ergehen  2).  Um  des  ungestümen  Werbers  endlich  los
zu  werden,  gab  sie  ihm  zur  Liebesprobe  eine  Wallfahrt  nach  dem
heiligen  Grabe  auf,  die  der  von  Liebe  Betbörte  auch  unternahm  3 ).
Indessen  aber  verehlichte  sie  sich  mit  dem  alten,  reichen  Hausmann ­
  in  Hall  und  der  gegen  das  Ende  1400  nach  Tirol  zurückkehrende ­
  Dichter  fand  sich  durch  diese  Belohnung  seiner  Liebeswallfahrt
  aufs  Bitterste  enttäuscht.  Ihr  Bild  trug  er  aber  dennoch  in
seinem  Herzen,  denn  nach  seinem  eigenen  Geständnisse  diente  er
ihr  dreizehn  Jahre 4 ).  Sie  aber  hatte  einen  zwar  reichen,  doch  in
andern  Beziehungen  nicht  hervorragenden  Mann  geehlicht,  der  schon
dem  Alter  nach  der  jungen,  eitlen  Dame  nicht  Zusagen  konnte.  Im
Jahre  1410  starb  Hausmann  und  vielleicht  dachte  die  junge  Witwe
an  ihren  frühem  Verehrer,  der  nun  eine  so  bedeutende  politische
Rolle  spielte.  Er  aber  führte  die  Schwangauerin  zum  Altäre,  und
Thatsache  ist  es,  dass  die  Hausmannin  des  Dichters  grössle  Feindin
ward.  Ob  gekränkte  Liebe,  enttäuschte  Hoffnung  und  Eitelkeit  das
Motiv  zu  ihrem  Vorgehen  gegen  Oswald,  oder  das  Streben  es  war,
dem  Herzog  Friedrich,  dessen  Buhle  sie  genannt  wurde  s),  gefällig
»)  N°  xlviii.  s.  ist.
2 )  Vrgi.  in  freuden  si  mir  manig-  nacht

verleeh  ir  ermlin  blos.  S.  252.
mit  meines  p  ne  len  freunt.  S.  61.
mein  puel  laist  mir  Gesellschaft  zwar.  S.  151.

3 )  I,  4,  1  ff.
4 t

Ain  frauenpild,

mit  der  ich  han  mein  zeit  so  lang 1  vertrihen
wol  dreuzehen  iar  und  dnnnoch  mer,
in  treuen  stet  heliben
zu  willen  nach  ir’s  herzen  ger,
das  mir  auf  erd  kain  mensch  nie  Hebers  was.  S.  251.

und  ich  den  tratz  muest  sehen  an,
das  si  ain  andern  t  reuten  kan,
            
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