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Z i n g- e r I e
zu ihr hingerissen. Sie aber konnte gegen den frühgealterten, einäugigen
Dichter, dessen Haare schon grauten, keine wahre Neigung
empfinden, die Verehrung des vielgewanderten, berühmten Helden
schmeichelte aber ihrer Eitelkeit. So entspann sich von ihrer Seite
jenes Spiel von scheinbar liebender Hingabe und Schmollen, das
Oswald so treffend im Gedichte, worin er die Geliebte mit den Monaten
vergleicht, uns schildert'). Dass sie ihm manchmal nicht nur
gewöhnliche Liebesgunst gewährte, scheint aus seinen Gedichten
sich sicher zu ergehen 2). Um des ungestümen Werbers endlich los
zu werden, gab sie ihm zur Liebesprobe eine Wallfahrt nach dem
heiligen Grabe auf, die der von Liebe Betbörte auch unternahm 3 ).
Indessen aber verehlichte sie sich mit dem alten, reichen Hausmann
in Hall und der gegen das Ende 1400 nach Tirol zurückkehrende
Dichter fand sich durch diese Belohnung seiner Liebeswallfahrt
aufs Bitterste enttäuscht. Ihr Bild trug er aber dennoch in
seinem Herzen, denn nach seinem eigenen Geständnisse diente er
ihr dreizehn Jahre 4 ). Sie aber hatte einen zwar reichen, doch in
andern Beziehungen nicht hervorragenden Mann geehlicht, der schon
dem Alter nach der jungen, eitlen Dame nicht Zusagen konnte. Im
Jahre 1410 starb Hausmann und vielleicht dachte die junge Witwe
an ihren frühem Verehrer, der nun eine so bedeutende politische
Rolle spielte. Er aber führte die Schwangauerin zum Altäre, und
Thatsache ist es, dass die Hausmannin des Dichters grössle Feindin
ward. Ob gekränkte Liebe, enttäuschte Hoffnung und Eitelkeit das
Motiv zu ihrem Vorgehen gegen Oswald, oder das Streben es war,
dem Herzog Friedrich, dessen Buhle sie genannt wurde s), gefällig
») N° xlviii. s. ist.
2 ) Vrgi. in freuden si mir manig- nacht
verleeh ir ermlin blos. S. 252.
mit meines p ne len freunt. S. 61.
mein puel laist mir Gesellschaft zwar. S. 151.
3 ) I, 4, 1 ff.
4 t
Ain frauenpild,
mit der ich han mein zeit so lang 1 vertrihen
wol dreuzehen iar und dnnnoch mer,
in treuen stet heliben
zu willen nach ir’s herzen ger,
das mir auf erd kain mensch nie Hebers was. S. 251.
und ich den tratz muest sehen an,
das si ain andern t reuten kan,