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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Zur  altern  tirolischen  Literatur.  I.

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den  ich  ee  bot,
die  lassen  mich  eilende.  III,  2,  7  ff.
Abgesehen  von  andern  Dingen,  die  uns  gänzlich  unbekannt  sind,
mochte  schon  das  einsame  Leben  auf  dem  von  allem  Verkehre  abgelegenen ­
  Schlosse  die  Einserin,  deren  Heimat  nahe  dem  Rheinthale  in
milder,  schöner  Gegend  lag  i),  verstimmen  und,  wie  es  aus  der  oben
angeführten  Stelle  scheint,  ihr  reitzbares  Temperament  steigern.
Enttäuschungen  auf  beiden  Seiten  mochten  das  Familienleben  um  so
mehr  stören,  je  mehr  Oswald  an  das  schöne  innige  Zusammenleben
mit  Margaretha  dachte.  Höchst  bedeutungsvoll,  ja  noch  tiefeingreifender ­
  in  das  Leben  und  die  Gedichte  des  Wolkensteiners,  selbst
als  Margarethe,  tritt  uns  eine  andere  Frauengestalt  entgegen:  Sabina
Jäger  ausTisens,  später  v  e  r  eh  lic  ht  e  Hausma  nn.  Erscheint  Gretli
als  milder  Engel,  der  Trost,  Frieden  und  Glück  in  des  Dichters  Herz
goss,  so  war  die  schöne  Jägerin  der  böse  Dämon,  der  feurige  Liebe,
Unruhe,  Hass  und  Verfolgung  in  Oswald’s  Leben  brachte.  Es  musste
kein  gewöhnliches  Weib  gewesen  sein,  das  den  vielgewanderten
Dichter,  der  so  viele  Schönheiten  kennen  gelernt  hatte,  derart  entzündete, ­
  dass  er  ungeachtet  aller  Treulosigkeiten  und  Verfolgungen,
die  er  von  ihr  erduldet  hatte,  ihrem  Andenken  nicht  entsagen  konnte.
Die  Erstlingsliebe  zu  dieser  an  Körper  und  Geist  hochbegabten  Kokette ­
  begleitete  unsern  Dichter  wie  sein  Schatten  durch  das  Leben,
wenn  auch  zwischendrein  die  Erinnerung  an  sie  in  Hass  und  Verwünschungen ­
  umschlägt.  Ais  er  von  seiner  ersten  langen  Fahrt
(1396?)  nach  Tirol  ziirückgekehrt  war,  lernte  er  sie  kennen,  die
•achtzehnjährige 2 ),  bildschöne  Jungfrau 8 )  und  ward  von  heisser  Liebe

so  wol
durch  roten  mund,
frölich  zu  aller  stund.  S.  161  (LVI.  2,  5)
mich  frewet,  traut  M'eib,
dein  roter  mund.  S.  168.
ir  röseiochter  mund  S.  173.
von  deinem  röselochten  mund.  S.  177.
mich  freut  für  war
ir  roter  mund.  S.  182.
*)  Vrgl.  .1.  v.  Bergmann.  Landeskunde  von  Vorarlberg  S.  51  u.  105,  und  desselben:
Die  Edlen  von  Embs.  Denkschriften  der  kais.  Akademie  Bd.  11,  93  ff.
2 )  N°  XLV1I.  S.  150.  Weber  Friedrich  und  Oswald  S.  123.
3 )  Ihre  Beschreibung'  XLVIII.  2,  1  II'.  S.  läi.  vrg 1 .  auch  I.  6,  I  II'.  S.  25.
            
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