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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Zur  altem  tirolischen  Literatur.  I.

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Man  vergleiche  damit  Oswald’s  Lied:
Und  swig  ich  nu  die  lenge  zwar,
so  würd  mein  schier  vergessen  gar  (Weber  S.  86—89),
worin  er  aber  die  Vorlage  freier  und  selbstständiger  behandelt.
Unter  seinen  Gedichten  sprechen  uns  aber  mehr,  als  solche  Bearbeitungen ­
  und  als  viele  mit  den  künstlichsten,  gesuchten  Strophenlormen
  ausgestattete  Tanz-  und  Minnelieder  (s.  Weber  S.  129.
134.  142.  145.  169.  196,  198  u.  ähnl.)  jene  an,  in  denen  er  in
sein  reiches  Leben  greift  und  seine  Erfahrungen,  sein  Lieb  und  Leid,
oder  seine  Reflexionen  in  einfacherer  Form  und  mit  ungesuchter
Frische  darlegt.  Ich  rechne  dazu  vorzüglich  N°  I  (S.  21—27),  II.
(  S.  27—31),  III.  (S.  31-34),  IV.  (S.  34—37),  VI.  (S.  40—46),
das  schnittige  Hetzlied:  „Nu  liuss,“  sprach  der  Michel  von  Wolkenstain
  X.  (S.  SO),  XXI.  (S.  81),  XXVI.  (S.  94),  XXXI.  (S.  118),
XXXVI.  (S.  131),  XXXVII.  (S.  133),  LXXIV.  (S.  189),  LXXV.
(S.  190),  LXXVI.  (S.  191),  LXXXI1.  (S.  201).  XC.  (S.  213),  CXVI.
(S.  268)  und  ähnl.  Es  weht  uns  hier,  oft  ungeachtet  der  dennoch
schwierigen  Strophen,  ein  solch  frischer  Ton,  eine  solche  Wärme  der
Empfindung  und  eine  solche  männliche  kernhafte  Gesinnung  entgegen,
dass  sie  in  der  damaligen  Zeit  argen  Verfalles  uns  wie  Erzeugnisse
eines  echten  Dichters  doppelt  angenehm  berühren.  Manche  seiner
Gedichte  haben  nach  Ton,  Sprache  und  Humor  etwas  echt  Volksthümliches
  und  beweisen  uns,  dass  Oswald  nicht  nur  an  deutschen  und
anderen  Kunstdichtern,  sondern  an  dem  ewigfrischen,  körnigen  Volksliede ­
  sich  gebildet  habe.  Ich  verweise  nur  auf  folgende;
Wolauff,  wir  wellen  slaffen,
hausknecht,  nu  zündt  ain  liechtel  S.  49
Wer  die  ougen  wil  verschüren  mit  den  beenden  S.  66
Iler  wiert,  uns  dürstet  also  sere,
frag  auf  wein!  S.  165.
Ain  graserin  durch  küelen  tou  S.  175.
ln  einzelnen  Strophen  kommen  Anklänge  an  das  Volkslied  oft
vor,  ja  selbst  an  ein  bekanntes  Kinderlied  erinnern  die  Verse:
Da  zyssli,  miissli.
füssli,  fissli,
kenne,  klüssli
kompt  ins  hüsli  etc.  !)  S.  118.

U  Vergl.  Rorbbolz  Kinderlieb  S.  374.  Stöbbr,  Volksbiicblein  S.  13.
            
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