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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Über  eine  altfranzösische  Handschrift  d.  k.  Universitätsbibl.  zu  Pavia.

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Grosse  Ähnlichkeit  damit  hat  eine  im  Trattato  dell’  ingratitudine
  e  di  molti  esempli  d'essa  3 )  enthaltene  Erzählung:
Ein  Baron  findet  in  einem  Buche  drei  Sprichwörter:  Binde
keinen  Gehängten  los,  denn  er  wird  dich  aufhängen;  die  zwei
anderen,  von  der  Frau  und  Herrengunst,  wie  hei  Straparola.  Der
Baron  begibt  sich  in  ein  fremdes  Land,  erwirbt  sich  die  Liebe  des
Königs  und  erwirkt  die  Verzeihung  eines  Ritters,  welcher  gerade  aufgehängt ­
  werden  sollte.  Der  König  schenkt  dem  Barone  einen  kostbaren ­
  Ring,  verbietet  ihm  aber  bei  Todesstrafe,  Diess  wem  immer
zu  erzählen.  Der  Frau  gelingt  es  jedoch  ihm  dasGeheimniss  abzulocken,
und  hei  dem  ersten  geringfügigen  Streit  verräth  sie  den  Gemal.
Dieser  soll  nun  aufgehängt  werden.  Niemand  will  sich  zum  Henker
des  Unschuldigen  herbeilassen,  da  meldet  sich  der  einst  von  ihm  Befreite.
—  Die  Hs.-,  welcher  der  Tractat  entnommen,  gehört  dem  XV.  Jahrhunderte; ­
  es  ist  aber  sehr  wahrscheinlich  dass  das  Werk  selbst
noch  in’s  XIV.  Jahrhundert  zurückreiche.
Dem  XIV.  gehört  ohne  Zweifel  das  Livre  du  Chevalier  de
la  Tour  Landry  (zuletzt  herausgegeben  von  A.  de  Montaiglon,
Paris  18(54),  in  dessen  letzten  Capitel  erzählt  wird,  dass  Cato
seinem  Sohne  Catonnet  die  nämlichen  drei  Lehren  gibt,  wie  im
Trattato.  Catonnet  nimmt  aber  Dienste  beim  Kaiser  von  Rom  an
und  befreit  einen  Dieb,  den  man  zum  Galgen  führte.  In  der  Nacht
hatte  er  manchen  Traum,  der  ihn  an  die  Lehren  seines  Vaters
mahnte,  die  er  nicht  befolgt;  um  in  Bezug  auf  die  dritte  seine  Frau
auf  die  Probe  zu  stellen  erzählt  er  ihr,  er  habe  den  ihm  anvertrauten
Sohn  des  Königs  getüdtet  und  dessen  Herz  den  Altern  zu  essen  gegeben. ­
  Die  Frau  verspricht  zu  schweigen;  bei  Tagesanbruch  aber
vertraut  sie  Alles  einer  Freundin  an,  welche  ihrerseits  läuft  dem
Kaiser  die  furchtbare  Kunde  zu  bringen.  Der  König  befiehlt
Catonnet  solle  gleich  gehängt  werden;  letzterer  meint  aber,
solcher  Übereilung  bedürfe  es  nicht,  man  möge  am  morgigen
Tage  vor  dem  ganzen  Volke  die  Untersuchung  pflegen;  er  schickt  indessen ­
  einen  Boten  den  Königssohn  abzuholen,  welchen  er  der  Obhut

aus  Straparola.  Ein  arabischer  König  gibt  auf  seinem  Todtenbette  dem  Sohne  die
drei  Lehren.
2 )  Aus  einer  Hs.  der  Ambrosiana,  ed.  Ceriani  im  Propugnatore  II  401.
            
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