Über eine altfranzösische Handschrift d. k. Universitätsbibl. zu Pavia.
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Grosse Ähnlichkeit damit hat eine im Trattato dell’ ingratitudine
e di molti esempli d'essa 3 ) enthaltene Erzählung:
Ein Baron findet in einem Buche drei Sprichwörter: Binde
keinen Gehängten los, denn er wird dich aufhängen; die zwei
anderen, von der Frau und Herrengunst, wie hei Straparola. Der
Baron begibt sich in ein fremdes Land, erwirbt sich die Liebe des
Königs und erwirkt die Verzeihung eines Ritters, welcher gerade aufgehängt
werden sollte. Der König schenkt dem Barone einen kostbaren
Ring, verbietet ihm aber bei Todesstrafe, Diess wem immer
zu erzählen. Der Frau gelingt es jedoch ihm dasGeheimniss abzulocken,
und hei dem ersten geringfügigen Streit verräth sie den Gemal.
Dieser soll nun aufgehängt werden. Niemand will sich zum Henker
des Unschuldigen herbeilassen, da meldet sich der einst von ihm Befreite.
— Die Hs.-, welcher der Tractat entnommen, gehört dem XV. Jahrhunderte;
es ist aber sehr wahrscheinlich dass das Werk selbst
noch in’s XIV. Jahrhundert zurückreiche.
Dem XIV. gehört ohne Zweifel das Livre du Chevalier de
la Tour Landry (zuletzt herausgegeben von A. de Montaiglon,
Paris 18(54), in dessen letzten Capitel erzählt wird, dass Cato
seinem Sohne Catonnet die nämlichen drei Lehren gibt, wie im
Trattato. Catonnet nimmt aber Dienste beim Kaiser von Rom an
und befreit einen Dieb, den man zum Galgen führte. In der Nacht
hatte er manchen Traum, der ihn an die Lehren seines Vaters
mahnte, die er nicht befolgt; um in Bezug auf die dritte seine Frau
auf die Probe zu stellen erzählt er ihr, er habe den ihm anvertrauten
Sohn des Königs getüdtet und dessen Herz den Altern zu essen gegeben.
Die Frau verspricht zu schweigen; bei Tagesanbruch aber
vertraut sie Alles einer Freundin an, welche ihrerseits läuft dem
Kaiser die furchtbare Kunde zu bringen. Der König befiehlt
Catonnet solle gleich gehängt werden; letzterer meint aber,
solcher Übereilung bedürfe es nicht, man möge am morgigen
Tage vor dem ganzen Volke die Untersuchung pflegen; er schickt indessen
einen Boten den Königssohn abzuholen, welchen er der Obhut
aus Straparola. Ein arabischer König gibt auf seinem Todtenbette dem Sohne die
drei Lehren.
2 ) Aus einer Hs. der Ambrosiana, ed. Ceriani im Propugnatore II 401.