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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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M  u  s  s  a  f  i  a

gern]  zu  behandeln  sich  bemüht.  Diese  Version  findet  sich  hei  Schreger,
  Zeitvertreiber,  Stadt  am  Hof  1783,  S.  635  und  wir  lassen  sie
hier  gerne  folgen.
Ein  gewisser  fürnehmer  Graf  wurde  aus  Verschwärzung  von
dem  kaiserlichen  Hof  Maxentii  verstossen;  jedoch  mit  dieser  Bedingung, ­
  dass  wenn  er  seinen  ärgsten  Feind  und  seinen  besten  Freund
innerhalb  drei  Tagen  dem  Kaiser  vorstellen  würde,  er  wiederum  sollte
zu  Gnaden  aufgenommen  werden.  Der  Graf  besinnte  sich  Tag  und
Nacht,  wie  er  dieses  anstellen  wollte.  Endlich  stellte  er  sich,  als
hätte  er  einen  fürnehmen  Ritter  auf  seinem  Gute  ermordet  und  ihn
seines  Geldes  beraubt;  gab  also  seiner  Frau  Gräfin  den  abgenommenen
Beutel  voll  Geld  und  verbot  ihr  bei  Leib  und  Leben,  keinem  Menschen
etwas  davon  zu  sagen,  welches  sie  auch  heilig  zu  halten  versprochen.
Den  dritten  Tag  ging  der  Graf  nach  Hof,  nahm  seine  Gräfin  und
seinen  Hund  mit  sich.  Kaum,  da  er  in  das  Zimmer  zu  dem  Kaiser  gekommen, ­
  fing  er  an  seinen  Hund  erbärmlich  zu  schlagen;  der  Hund
aber  hat  auf  jeden  Schlag  seinem  Herrn  Grafen  die  Hände  abgeleckt
und  tausend  Zeichen  der  Liebe  erzeigt.  Die  Gräfin,  welche  nicht
wusste  worauf  der  Handel  abgesehen,  gab  ihrem  Herrn  einen  scharfen
Verweis,  dass  er  im  Angesicht  des  Kaisers  sich  also  närrisch  stelle  und
einen  so  grossen  Tumult  mit  dem  Hunde  mache.  Der  Graf,  nicht  faul,
Hess  von  dem  Hunde  ab  und  gab  der  Gräfin  eine  brackete  Ohrfeige.
Die  Gräfin  ganz  rasend:  „Wie!“  sagte  sie  „ist  dir,  du  Schelm,  du
Dieb,  du  Mörder,  noch  nicht  genug,  dass  du  erst  vor  drei  Tagen  einen
reisenden  Edelmann  so  jämmerlich  ermordet  und  seines  Geldes  beraubt ­
  hast?“  Zog  darauf  den  Geldbeutel  heraus,  zeigte  selben  dem
Kaiser  und  erzählte  ihm  den  ganzen  Verlauf.  Alsdann  fing  der  Graf
an  zu  dem  Kaiser  also  zu  reden:  „Hier  sehen  euer  kais.  Majestät
beisamm  beide,  meinen  besten  Fre  Aid  und  meinen  ärgsten  Feind.
Mein  bester  Freund  auf  der  Welt  ist  mein  Hund;  denn  ob  ich  selben
schon  hart  geschlagen,  wie  Ihr  Majestät  selbst  mit  Augen  gesehen,
so  hat  er  mir  doch  alle  Treu  und  Liebe  erzeiget.  Mein  Weib
ist  aber  mein  ärgster  Feind  ;  denn  diese,  ob  sie  mir  schon
mit  ehelicher  Treu  von  sich  selbst  verbunden  und  erst  vor  drei
Tagen  heilig  versprochen,  Niemand  etwas  von  diesem  Todschlag
zu  sagen,  so  hat  sie  doch  Alles  geoffenbaret,  und  zwar  nur  wegen
einer  einzigen  Ohrfeige“.  Dieser  sinnreiche  Fund  gefiel  den  Kaiser
            
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