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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Über  eine  altfranzösische  Handschrift  d.  k.  Universitätsbibi,  zu  Pavia.  007
II)  Eine  riithselhafte  Aufgabe,  welche  zunächst  darin  besteht,
den  besten  Freund  und  den  ärgsten  Feind  vorzuf(ihren,  wird  dadurch
gelöst,  dass  als  der  erste  der  Hund,  als  der  zweite  aber  die  Gemalin
bezeichnet  wird.  Die  vorzuführenden  Wesen  können  um  eines  oder
um  zwei  vermehrt  werden;  das  eigentliche  Gewicht  der  Erzählung
fällt  aber  lediglich  auf  die  zwei  ersten.
Es  gibt  dann  eine  zweite  Gruppe  von  Versionen,  welche  nur  den
unter  II)  angeführten  Stoff  behandeln.  Da  heisst  es  bloss,  dass  Einer,
dem  eine  Strafe  angedroht  wird,  Verzeihung  nur  dann  erwirken
kann,  wenn  er  die  Aufgabe  löst.  Die  Frau  muss  hier  etwas  Anderes
zu  verrathen  haben,  und  da  finden  wir  immer,  dass  der  Mann  ihr
vorspiegelt,  er  habe  einen  Mord  begangen.  Diese  zweite  Gruppe  hat
auch  das  Eigentümliche,  dass  nicht  bloss  zwei  (oder  drei,  hier  nie
vier)  Wesen  vorgebracht  werden  müssen,  sondern  zu  dieser  Aufgabe
noch  eine  zweite  anders  geartete  hinzutritt,  welche  aber—  aus  anderen
Erzählungskreisen  geholt  —  nur  zur  Ausschmückung  dient  und  mit
dem  inneren  Wesen  der  hier  in  Rede  stehenden  Mähre  nichts  zu
thun  hat.  Diese  zweite  Gruppe  besteht  aus  folgenden  eng  zusammenhängenden ­
  Versionen:
Die  Gesta  Romanorum  (lat.  und  deutsch  124,  Violier  148,
Swan  II  164)  erzählen:
Ein  Ritter,  der  den  König  schwer  beleidigt  hatte,  erhält  nur
unter  folgenden  Redingungen  Gnade:  er  solle  zum  Hofe  halb  zu  Ross
halb  zu  Fuss  kommen  i)  und  mit  sich  Freund,  Feind  und  Lustigmacher
bringen.  —  Der  Ritter  hatte  in  einer  Nacht  einem  Reisenden  Herberge ­
  gewährt,  der  viel  Geld  bei  sich  hatte.  Er  verabredet  mit  seiner
Frau,  den  Fremden  zu  ermorden.  Dann  besinnt  er  sich  eines  anderen,
lässt  den  Reisenden  fortziehen,  schneidet  eins  seiner  Kälber  in
Stücken  und  steckt  es  in  einen  Sack;  seiner  Frau  sagt  er,  er  habe
darin  die  Arme  und  Beine  des  Ermordeten,  den  Körper  habe  er  im
Stalle  vergraben.  Zu  Hofe  begibt  er  sich  nun  mit  seinem  Hunde  (über
dessen  Rücken  er  das  rechte  Rein  legt  als  oh  er  ritte,  während  er
mit  dem  linken  auf  der  Erde  geht),  mit  seinem  kleinen  Kinde,  und
mit  seiner  Frau.  Die  erste  Aufgabe  hat  er  durch  die  Art  seines  Auftretens ­
  gelöst;  auf  die  Frage  nach  seinem  besten  Freunde  antwortet

0  Ülier  diese  und  ähnliche  Räthselaufgaben  siehe  Grimm,  KHM.  III  171,  298.
            
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