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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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M  u  s  s  a  f  i  a

eine  Version,  in  welcher  die  Scene  nach  Rom  verlegt  wird.  Die  Stadt
wird  belagert  und  grosser  Mangel  an  Lebensmitteln  macht  sich  fühlbar; ­
  da  lässt  der  junge  König  auf  Anrathen  seiner  Altersgenossen  alle
alten  Leutetödten.  Nur  ein  junger  Mann,  im  Einverständnis  mit  seiner
Frau,  versteckt  seinen  Vater  in  einen  unterirdischen  Raum.  Nach  geschlossenem ­
  Frieden  herrscht  grosse  Unordnung  in  der  Stadt,  welche
nur  von  jungenLeuten  regiert  wird.  Der  alte  Mann,  dem  sein  Sohn  Alles
berichtet,  zeigt  ihm  den  Weg  zum  Besseren.  Der  Sohn  lässt  die  empfangenen ­
  Rathschläge  hei  Hofe  gelten;  tant  se  pena  en  tel  moniere
Que  moult  mist  le  roi  ä  mesure  Tant  k'il  /ist  reson  et  droiture  .  .  .
Li  rois  Vama  et  einer  le  tint  ....  N'i  ot  md  ke  il  amast  tant.  Die
anderen  Höflinge,  neidisch  darüber,  argwöhnen  der  Alte  lebe  noch,
von  ihm  kämen  die  weisen  Lehren.  Sie  wagen  nicht,  auf  diese  blosse
Vermuthung  hin,  den  jungen  Mann  des  Ungehorsams  anzuklagen,
und  ersinnen  eine  List.  Sie  ermuthigen  den  König,  ein  Fest  auszuschreiben, ­
  hei  welchem  Jeder  Freund,  Feind,  Diener  und  Lustigmacher
mitnehmen  soll;  denn  sie  denken,  der  verhasste  Gefährte  wird  gewiss
den  Alten  als  seinen  besten  Freund  mitnehmen.  Letzterer  aber  durchschaut ­
  die  List,  und  sagt  seinem  Sohne:  er  solle  den  Hund,  den  Esel,
das  Kind  und  die  Frau  mitnehmen.  Als  die  Frau  sich  als  Feindin  bezeichnen ­
  hört,  verräth  sie  Alles.
Manche  Eigenthümlichkeit  im  Gange  der  Erzählung  bietet  die
letzte  der  Cento  novelle  antiche.
Ein  junger  König  hatte  ein  Mädchen  geheiratet,  die  mehr  zum
Bösen  als  zum  Guten  geneigt  war.  Die  Gegenwart  eines  alten  Rathgebers ­
  des  Königs  wird  ihr  lästig,  und  sie  überredet  ihren  Gemahl,
alle  Männer  über  sechzig  Jahre  tödten  zu  lassen.  Nach  einiger  Zeit
hat  der  König  einen  unheilverkündenden  Traum;  er  beruft  seine
Räthe;  sie  sind  aber  alle  jung,  und  vermögen  nicht  den  Traum  zu
deuten.  Da  werden  nach  einem  benachbarten  Lande,  wo  [Viele  alte
Leute  lebten,  Boten  gesandt.  Diese  erhalten  zur  Antwort,  der  König
solle  seine  Unterthanen  auffordern,  an  einem  bestimmten  Tage  bei
Hofe  mit  Freund,  Feind  und  Lustigmacher  zu  erscheinen;  wenn  sich
Einer  fände,  der  diese  Aufgabe  zu  lösen  verstünde,  der  würde  auch
den  Traum  deuten  können.  Nun  hatte  ein  junger  Manu  seinen  Vater
geschont  und  in  einer  geheimen  Kammer  versteckt;  seine  Frau  hatte
Kunde  davon  erhalten.  Auf  Anrathen  des  Vaters  bringt  er  zum  König
            
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