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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

S46

M  u  s  s  a  f  i  a

Die  Handschrift  der  Universitäts-Bibliothek  zu  Pavia  CXXX.
E.  5  besteht  aus  87  in  jüngster  Zeit  numerirten  Blättern  auf  Pergament; ­
  zweispaltig  zu  38  Zeilen  auf  jede  Spalte.  Die  zum  grössten
Theile  von  einer  und  derselben  Hand  herrührende  Schrift  gehört  dem
Anfänge  des  XIV.  Jahrhunderts;  sie  ist  fast  immer  sehr  zierlich  und
deutlich;  hie  und  da  wird  sie  auf  längere  oder  kürzere  Strecken
etwas  gröber  und  nachlässiger,  um  dann  wieder  zur  früheren  Schönheit ­
  zurückzukehren.  Nur  das  auf  Bl.  56 a —57 b  enthaltene  Bit  de
bigamie  ist  entschieden  von  anderer  Hand,  und  einen  beträchtlichen
Unterschied  von  der  gewöhnlichen  Schrift  bemerkt  man  auch  in  den
letzten  vier  Blättern,  so  dass  möglicherweise  auch  hier  ein  anderer
Schreiber  eintrat.
Über  die  Reinheit  der  Texte  lässt  sich  natürlich  kein  allgemeines ­
  Urtheil  fällen;  nur  in  Bezug  auf  jene  Stücke,  für  welche  mir
andere  Texte  zugänglich  waren,  konnte  ich  bemerken,  dass  die  in
letzteren  befolgte  Declinationsregel  in  unserer  Hs.  häufig  verletzt
wird.  Oh  nun  der  Schreiber  des  XIV.  Jahrhunderts  reine  Vorlagen
alterirte  oder  schon  verderbte  Vorlagen  benützte,  ist  gleichgiltig;  es
genügt  zu  wissen,  dass  er  in  diesem  Punkte  keine  Gewähr  gibt  und
dass  man  daher,  falls  andere  Gründe  dafür  vorhanden,  getrost  emendieren
  kann.  Schliesslich  sei  eine  Eigenthümlichkeit  des  Schreibers
erwähnt,  welcher  den  Nexus  tt,  möge  was  immer  dessen  Quelle  sein,
mit  it  —  z.  B.  leitre  meitre  —  schreibt.
Ich  will  nun  über  die  einzelnen  Stücke  berichten.
I)  1“—4 d .  Rubrik:  Ce  sont  les  vers  de  la  mort.  Beginnt:
Mort,  qui  m  a  mis  muer  eil  mue.
Dieses  Gedicht  ist  schon  viermal  herausgegeben  worden.  Vincentius
  Bellovacensis  (Speculum  historiale  XXIX  108^  sagt  von
Helinandus,  er  habe  jene  Versus  de  morte  verfasst,  qui  publice  leguntur
  tarn  eleganter  et  utiliter  nt  luce  clarius  patuit.  Diess  veranlasste
  Anton  Loisel,  den  Verfasser  der  Memoires  .  ...  de  Beauvais
  u.  s.  w.  sich  um  das  Werk  seines  berühmten  Landsmannes  zu
kümmern;  er  erhielt  eine  Abschrift  von  Fauchet  und  Hess  dieselbe
im  Jahre  1594  durch  den  Druck  erscheinen.  Der  von  ihm  gebotene
Text  ist  mangelhaft;  abgesehen  von  einzelnen  fehlenden  Versen,  enthält ­
  er  nur  39  Strophen.  Die  Zahl  der  Strophen  steigt  auf  48  in
einer  Hs.,  welche  einst  der  Sorbonne  gehörig,  nun  in  der  kaiser-
            
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