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M u s s a f i a
Die Handschrift der Universitäts-Bibliothek zu Pavia CXXX.
E. 5 besteht aus 87 in jüngster Zeit numerirten Blättern auf Pergament;
zweispaltig zu 38 Zeilen auf jede Spalte. Die zum grössten
Theile von einer und derselben Hand herrührende Schrift gehört dem
Anfänge des XIV. Jahrhunderts; sie ist fast immer sehr zierlich und
deutlich; hie und da wird sie auf längere oder kürzere Strecken
etwas gröber und nachlässiger, um dann wieder zur früheren Schönheit
zurückzukehren. Nur das auf Bl. 56 a —57 b enthaltene Bit de
bigamie ist entschieden von anderer Hand, und einen beträchtlichen
Unterschied von der gewöhnlichen Schrift bemerkt man auch in den
letzten vier Blättern, so dass möglicherweise auch hier ein anderer
Schreiber eintrat.
Über die Reinheit der Texte lässt sich natürlich kein allgemeines
Urtheil fällen; nur in Bezug auf jene Stücke, für welche mir
andere Texte zugänglich waren, konnte ich bemerken, dass die in
letzteren befolgte Declinationsregel in unserer Hs. häufig verletzt
wird. Oh nun der Schreiber des XIV. Jahrhunderts reine Vorlagen
alterirte oder schon verderbte Vorlagen benützte, ist gleichgiltig; es
genügt zu wissen, dass er in diesem Punkte keine Gewähr gibt und
dass man daher, falls andere Gründe dafür vorhanden, getrost emendieren
kann. Schliesslich sei eine Eigenthümlichkeit des Schreibers
erwähnt, welcher den Nexus tt, möge was immer dessen Quelle sein,
mit it — z. B. leitre meitre — schreibt.
Ich will nun über die einzelnen Stücke berichten.
I) 1“—4 d . Rubrik: Ce sont les vers de la mort. Beginnt:
Mort, qui m a mis muer eil mue.
Dieses Gedicht ist schon viermal herausgegeben worden. Vincentius
Bellovacensis (Speculum historiale XXIX 108^ sagt von
Helinandus, er habe jene Versus de morte verfasst, qui publice leguntur
tarn eleganter et utiliter nt luce clarius patuit. Diess veranlasste
Anton Loisel, den Verfasser der Memoires . ... de Beauvais
u. s. w. sich um das Werk seines berühmten Landsmannes zu
kümmern; er erhielt eine Abschrift von Fauchet und Hess dieselbe
im Jahre 1594 durch den Druck erscheinen. Der von ihm gebotene
Text ist mangelhaft; abgesehen von einzelnen fehlenden Versen, enthält
er nur 39 Strophen. Die Zahl der Strophen steigt auf 48 in
einer Hs., welche einst der Sorbonne gehörig, nun in der kaiser-