Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Zur  Geschichte  der  Anfänge  griechischer  Kunst.

527

Formen,  die  sich  allüberall  wieder  finden,  getrieben  werden  soll.  Dass
der  Mäander,  die  Zickzacklinie  u.  s.  w.  da  und  da  und  da  auch  sonst
Vorkommen,  in  uralten  Werken  zumal  und  bei  Völkern  mit  unentwickelter ­
  Kunst,  das  zu  bemerken,  daraus  irgend  Etwas  zur  geschichtlichen ­
  Beurtheilung  derjenigen  Vasen,  welche  allerdings  in  ihren  Ornamenten ­
  vorzugsweise  diese  einfachen  Formen  tragen,  zu  gewinnen,
weisen  wir  ganz  von  der  Hand.  Aber  Folgendes  ist  etwas  wirklich
Bedeutsames.  Völlig  dasselbe  Gesammtsystem  der  verzierenden
Bildnerei,  sozusagen  dasselbe  ganze  Gerüst  mit  seiner  eigenthümlichen
  Art  der  Fügung,  innerhalb  desselben  dann  dieselben  Einzelformen, ­
  lineare  Zeichnungen  und  Thierbilder,  zugleich  ferner  —  und
das  verdient  besondere  Beachtung  —  dieselbe  Ausschliessung  aller
stilisirten  Pflanzenbildungen,  wie  wir  sie  auf  den  betreffenden  ältesten
Vasen  griechischer  Fundorte  gewahren,  charakterisirt  die  gesammte
Kunstübung  der  nordeuropäischen  Völkerschaften,  als  sie  schon
Bronze  und  nachher  Eisen  bearbeiteten,  aber  ehe  sie  in  engere  Berührung ­
  mit  dem  asiatisch-mittelmeerländischen  Culturkreise  traten
und  ihre  Kunst  vor  dessen  überwältigender  Überlegenheit  wich.
Wenn  ich  die  aus  zahllosen  Funden  bekannten  Arbeiten  der
Bronzezeit  und  der  beginnenden  Eisenzeit  Nordeuropas  mit  jenen
ältesten  Vasen  griechischer  Fundorte  in  Bezug  auf  die  Ornamentik
vergleichen  will,  so  führe  ich  am  liebsten  gleich  eine  ohne  alle
Absicht  hier  für  uns  Beweismittel  liefern  zu  wollen  gemachte  Zusammenstellung ­
  der  Elemente  nordischer  Ornamentik  der  Bronzezeit  an,
z.  B.  in  Sackens  Leitfaden  zur  Kunde  des  heidnischen  Alterthums
(Wien  1865),  S.  102.  Da  finden  wir  den  Ring  in  Reihen  gestellt,
[aber  auch  einzelnen  häufig],  mit  dem  Punkte  inmitten  oder  einem
Kreuze  gefüllt*),  einfach  oder  mehre  concentrisch  vereinigt;  wir
finden  die  Zickzacklinie,  die  in  horizontaler,  senkrechter,  schräger
Richtung  gestellten  gestreiften  Bänder,  ebenso  die  Raute,  die  S-förmige ­
  Verzierung  [auch  das  Schachbrettmuster  kommt  vor].  Wir
haben  auf  unsern  griechischen  Vasen  eine  bestimmte  Art  der
Zeichnung  der  durch  schräge  Linien  verbundenen  gereihten  Kreise
kennen  gelernt;  genau  auch  in  der  Führung  der  Hand  so  hergestellt

*)  Vergl.  die  radförmige  Form  z.  ß.  Lindensehmit  die  AHerthiimer  unserer  heidnischen
Vorzeit.  2  ßnde.  Mainz  1864.  1870.  I,  I,  7.  IV,  4.  X,  7.  II,  V,  4.  XII,  2.
35  *
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.