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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Zur  Geschichte  der  Anfänge  griechischer  Kunst.  525
das  sie  als  besonders  alt  erscheinen  lässt,  das  habe  ich  selbst
bei  der  Herausgabe  i)  wohl  erkannt  und  Andere,  wie  Brunn 3 ),  haben
dem  beigepflichtet,  aber  erst  jetzt  sehe  ich,  dass  diese  auf  eine  besonders ­
  frühe  Zeit  zurückweisende  Eigenthümlichkeit  in  der  allerdings ­
  bereits  auf  ein  Minimum  herabgedrückten,  aber  doch  den  Geschmack ­
  noch  beeinflussenden  Beimischung  jenes  allerältesten  Stils,
den  wir  in  den  hier  zusammengestellten  Vasen  in  ungemischter
Reinheit  kennen  gelernt  haben,  besteht.  Ebenfalls  als  Mischformen
beider  Stile  sind  jene  obenerwähnten,  in  der  Anlage  der  ganzen
Malerei  der  ältesten  Classe  angehörenden,  in  den  Löwenbildern
orientalischen  Einfluss  zeigenden  zwei  Gefässe  zu  Leyden  und  Paris
(Taf.  XI,  1.  2.)  zu  betrachten.  Ein  hervorragendes  Beispiel  solcher
Mischdecoration  bringen  ferner  die  hoch  nicht  ausgegebenen  Monumenti
  in.  dell’  inst,  di  corr.  arch. 3 )  in  dem  Kruge,  dessen  Mündung
als  Greifenkopf  gestaltet  schon  völlig  orientalische  Muster  wiederholt,
in  dessen  Ornamentik  ebenso  Palmetten-  und  Volutenformen,  der
Pflanzenwelt  entnommen,  völlig  ausgebildet  Vorkommen.  Von  den
umlaufenden  Streifen  zeigt  der  obere  einen  Löwen  oder  Panther,
der  einen  Hirsch  gefasst  hat,  symmetrisch  steht  jederseits  ein  schreitendes ­
  Pferd.  Diese  Pferde  ihrer  geradlinig  gestreckten  Form,  die
feekigen  Ornamente,  welche  zwischen  ihnen  den  Grund  füllen,  die
Menge  von  coneentrischen  Kreisen  oben  am  Gefässbalse,  sind  eben
so  viele  Nachklänge  der  ältesten,  vor  der  orientalisirenden  liegenden

0  Melische  Thongefässe.  Leipzig  1862.
2 )  Bull,  dell 1  inst,  di  corr.  arch.  1861,  S.  9.
3 )  Vol.  IX,  1869,  tav.  V,  1.  Ich  erhalte  einen  Separatabdruck  des  Textes  von  Richard
Förster  in  den  Annali  dell’inst.  1869,  S.  172  fl.  eben  noch  vor  dem  Drucke  dieser
Abhandlung  und  sehe,  dass  sich  Förster’s  Bemerkungen  völlig  in  das  hier  im
grösseren  Zusammenhänge  Erörterte  einfügen.  Das  Gefiiss  soll  von  Thera  stammen
und  befindet  sich  jetzt  bei  Castellani  in  Neapel.  Im  Jahre  1860  befand  sich  in  dem
kleinen  Häuschen  auf  der  Akropolis  von  Athen  ein  Gefäss  mit  Greifenkopf,  so  weit
die  mir  vorliegenden  Angaben  reichen,  auch  etwa  gleicher  Grösse  und  so  vollständig ­
  in  allen  Ornamenten  mit  dem  jetzt  Castelianischen  Exemplare  übereinstimmend ­
  (kurz  erwähnt  schon  von  Gerhard  Annali  dell’inst.  1837,  S.  134  und  von
Michaelis  Gerhards  Archäol.  Anz.  1861,  S.  198*  f.),  dass  man  wohl  auffordern
kann,  jetzt  in  Athen  sich  einmal  zu  überzeugen,  ob  wirklich  zwei  Wiederholungen
eines  Gefässes  in  solcher  Gleichheit  existiren.  Der  Art  nach  sehr  verwandt  ist
sonst  British  Museum  Vasensammlung  n.  385.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LX1V.  ßd.  II.  Hft.

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