Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Über  das  Spielmannsg-edieht  von  St.  Oswald.

503

Zwiu  sint  (suln?)  dir  künicriche  sie  werdent  erbelos
Du  ne  habest  ein  vrouwen  diu  si  din  genöz.
Man  dürfte  daher  nach  dem  bisherigen  berechtigt  sein  zu  dem
Schlüsse,  dass  ausser  einem  in  der  Moroltstrophe  verfassten  Oswalt
es  noch  einen  in  Hildebrandstrophen  gegeben  habe.  Den  letztem  hat
der  Uberarbeiter  gekannt  und  manche  Strophen  benutzt.  Die  Überarbeitung ­
  fällt  an  das  Ende  des  dreizehnten  Jahrhunderts,  ist  gleicher
Schule  mit  Laurin  und  Walberän,  und  in  Oberdeutschland,  wahrscheinlich ­
  Baiern  oder  Österreich  entstanden.
Diese  Vorlage,  die  ich  X  nannte,  hatte,  da  wir  bei  der  von
Bartsch  a.  a.  0.  aus  M  ergänzten  Stelle  annehmen  müssen,  dass  vor
S  (a? u )  ein  Blatt  ausgefallen  war,  ungefähr  29  Zeilen  auf  der  Seite,
war  also  eine  kleine,  vielleicht  zum  Gebrauche  eines  Fahrenden  bestimmte ­
  Handschrift.
Durch  den  Nachweis  einer  Bearbeitung  des  Oswald  im  Hildebrandstone ­
  rückt  das  Gedicht  näher  an  den  auch  sonst  verwandten
Ortnit  und  bildet  gewissermassen  ein  Mittelglied  zwischen  den  in
Moroltstrophen  abgefassten  Spielmannsgedichten  und  diesem.  Eine
nach  jeder  Richtung  stärkere  Überarbeitung  weist  Orendel  auf.
Simrock  bat,  wie  Anfangs  bemerkt,  die  herstellbaren  Strophen  mitgetheilt
  in  seiner  Übersetzung.  Er  liess  sich  aber  von  diesem  sichern
Wege  später  wieder  ablenken  durch  die  Beobachtung,  dass  oft  zwei
Langzeilen  auf  einander  reimen  und  sogar  'siebenzeilige  Strophen
erscheinen.  Dass  dieses  Gedicht  viel  weniger  Langzeilen  oder
Verse  mit  der  Caesur  aufweist  und  überhaupt  auch  inhaltlich  stärkere
Überarbeitung  zeigt  als  unser  Oswald,  ergibt  sich  genauerer  Betrachtung ­
  bald.  Auf  den  in  vieler  Beziehung  anerkannt  bessern
alten  Druck  zurück  zu  geben,  nützt  nicht  viel.  Es  verdiente  eine
sorgsame  Untersuchung  und  einen  neuen  aber  besser  vorbereiteten
Herausgeber,  als  er  ihm  zweimale  zu  Tlieil  geworden.  Ich  kann  also
hier  über  dies  Gedicht  kein  endgültiges  Wort  sprechen.  Dass  es
aber  wie  Oswald  auch  Hildebrandstrophen  in  seiner  Vorlage  gehabt,
ist  mir  jetzt  schon  wahrscheinlich.  Man  beachte  Verse  wie  2291  lf.
Do  was  derselbe  degen  gemeit
Zwischen  sinen  brogen  zweier  spannen  breit
Do  in  der  grawe  roc  ane  sach
Gerne  mugent  ir  hceren  wie  er  sprach.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.