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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Über  das  Spielmannsgedicht  von  St.  Oswald.

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beiden  letzten,  welchen  er  jedoch  die  alten  drei  Hebungen  lässt.
Diese  letzten  vier  Zeilen  behält  auch  der  dritte  —  MF  242  ff  —  bei.
Ich  glaube  der  klingende  Reim  in  3  und  S  der  ersterwähnten  Strophen
in  MF  steht  fest:  der  alte  Spervogel  braucht  zwar  noch  zweisilbige
Wörter  mit  langer  Penultima  für  stumpfen  Reim,  ersetzt  aber  an  der
bezeichneten  Stelle  nie  das  zweisilbige  Wort  durch  ein  einsilbiges
Reimwort.  So  die  ihm  folgen.  In  der  vorletzten  Zeile  steht  vor  der
Caesur  stets  ein  hoehtoniges  Wort,  ja  in  den  beiden  alten  Gesätzen
sogar  cretischer  Schluss,  der  auch  bei  Spervogel  überwiegt.  Dagegen ­
  nur  Steinberc  saz,  (wenn  man  die  leichte  Änderung  Lachmanns ­
  gesaz  nicht  annehmen  will)  underziunent  den  hof  (nach
Simrock's,  Pfeiffer’s  und  Rartschen’s,  neuerdings  von  R.  Hügel  auch
für  Otfried  behaupteter  Lesung  creticus)  wie  auch  alrerste  min
hart,  nicht  aber,  wenn  man  sorgfältig  liest:  wöl  in  daz  er  ie  wärt,
also  genau  genommen  drei  Fälle  gegen  fünf  und  zwanzig.  Und  doch
lag  für  Spervogel,  der  eigen:  zeigen  reimt,  so  nahe,  auch  hier  ein
zweisilbiges  Wort  mit  langer  Penultima  als  dritte  und  vierte  Hebung
zu  setzen.  Warum  also  cretischer  Versschluss  oder  vielmehr  hochtonige
  Silbe  gerade  hier?  Weil  tieftonige  Silbe  zu  wenig  schwer
war,  vor  der  Caesur  eine  Hebung  zu  bilden.
Der  Umstand,  dass  schon  die  beiden  volkstümlichen  Liedchen
dieses  Gesetz  zeigen,  beweist,  dass  wir  es  nicht  etwa  mit  einer
Eigenthümlichkeit  eines  einzelnen  Dichter  zu  thun  haben.  Es  war
eine  Forderung,  die  in  der  Natur  der  Strophe,  in  dem  Materiale,
mit  welchem  der  Dichter  arbeitet,  begründet  war.  Die  Strophe
forderte  männliche  Caesur;  was  im  neunten  Jahrhunderte  in  Chind
in  chuninchriche  noch  gelten  konnte,  tieftonige  Silbe  am  Schluss
des  ersten  Halbverses  als  Hebung,  galt  offenbar  nicht  mehr.  Wenn
wir  also  Moroltstrophen  finden  mit  den  Versen:
und  spilden  in  diu  ougen  als  irm  alder  wol  gezam
oder  in  der  Gudrun  den  letzten  Vers,  der  dem  sechsten  und  siebenten
der  Strophe  des  alten  Spervogel  entspricht:
die  sie  uz  stürmen  bringent,  tiefe  wunden,  wie  sol  man  die  heilen
so  wird  man  wohl  zugeben,  dass  sie  den  alten  Vorbildern  nicht  mehr
ganz  entsprechen.
Dem  Dichter  der  Moroltstrophen  und  dem  alten  Spervogel  konnten
diese  Schlüsse  vor  den  Caesuren  nicht  mehr  als  männliche  gelten.
Die  Nibelungenstrophe  entspricht  folgender  Form  der  Moroltstrophe:
SUy.l).  <1.  phil.-hist.  Cl.  LXIV.  B<1.  II.  Hft.  32
            
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