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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

474

Strobl

Zwar  ich  rate  (ez)  iu  üf  min  triuwe.
Wan  tnot  ir  mir  wider  reht
Daz  mac  inch  wol  geriuwen.
Wir  waren  im  Stande  aus  unseren  Vorlagen  eine  Reihe  von
fünfzeiligen  Strophen  zu  gewinnen,  entsprechend  der  sogenannten
Moroltstrophe.  Es  fanden  sich  einige  Fälle,  in  denen  der  vierte  Vers
eines  vierzeiligen  Gesätzes  den  Waisen  und  den  letzten  Vers  der
Strophe  enthielt.  Es  darf  aber  nur  ein  oder  das  andere  Wort  sich
leicht  haben  entbehren  lassen  und  fort  geblieben  sein,  dann  ist  von  den
zwei  alten  Zeilen  keine  Spur  mehr  vorhanden.  In  einzelnen  Fällen
kann  man  sich  eine  Besserung  erlauben  und  sich  u.  a.  auf  Orendel
Vers  2711  ff.  (nach  v.  d.  Hagen)  berufen.  Hier  hat  die  Handschrift
Er  Iiez  sieh  schön  üf  siniu  knie
Er  bat  unsern  herren  ie
Also  reht  tugentlichen
Und  ouch  frow  Brid  die  kunigin  riche.
Der  Druck  hat  Also  tet  ouch  /'.  B.  die  edel  kunigin  r.,  worin
deutlich  die  zwei  letzten  Verse  der  sog.  Moroltstrophe  zu-  erkennen
sind.  Simrock,  Die  Nibelungenstrophe  usw.  S.  74,  hat  die  Strophe
hergestellt,  nur  hat  der  Waise  zu  lauten:
Also  tet  ouch  vrou  Bride.
Machen  wir  von  diesem  Rechte  ausgedehnteren  Gebrauch,  (ich
habe  es  oben  bei  Vers  1771—1774  schon  gethan)  so  lässt  sich
noch  eine  Anzahl  von  Strophen  aus  dem  Oswald  herstellen.  Z.  B.
871  ff:
Er  sprach:  'sit  du  mich  hast  gemant
An  min  vrowen  und  an  min  lant
Son  verzihe  ich  dir  des  vrides  niht
Swie  halt  mir  darumbe
Unde  den  minen  geschiht.  ’
1029  f.  Daz  hat  dir  bi  mir  gesant
Künec  Üswalt  in  Engellant.
Merke,  vrouwe,  dest  min  rät
Waz  (er)  dir  der  vürste  edele
Bi  mir  her  enboten  hat.
            
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