Strobl. Über das Spielmannsgedicht von St. Oswald.
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Über das Spielmannsgedicht von St. Oswald.
Von Joseph Strobl.
K. Simrock hat in seiner Übersetzung des Orendel die Meinung
ausgesprochen, dass der Orendel in der fünfzeiligen Moroltstrophe
abgefasst sei. Er hat dieselbe in seiner Schrift: Die Nibelungenstrophe
und ihr Ursprung S. 75 wieder zurückgenommen, aber aus
der überlieferten Form der Spielmannsgedichte Schlüsse gezogen,
welche mindestens gewagt sind. E. H. Meyer erkennt in der Zeitschr.
f. d. A. 12, 392 die Moroltstrophe auch dem Oswald zu, natürlich
wie er in der Schaffhausener, Münchener und Innsbrucker Handschrift
überliefert ist. Aus dem Orendel hat Simrock eine Anzahl
von Strophen herzustellen gesucht, ich will den Oswald nach dieser
Seite untersuchen.
Wenn L. Ettmüller und mit ihm W. Wackernagel LitteraturgeschichteS.
163 und noch andere unser Gedicht ins zwölfte Jahrhundert
rücken, so waren es wohl nicht allein die Reime, in Betreff deren
K. Bartsch ihre Ansicht in Pfeiffers Germania 5, 129 ff. zurückzuweisen
sucht, welche dazu bewogen, sondern noch etwas anderes.
Die Verse des Oswald stellen ihn bei flüchtigerer Betrachtung jener
Gattung zur Seite, welche W. Wackernagel, das äussere treffend
kennzeichnend, das innere Wesen verkennend, Reimprosa genannt
hat. Jenen Gedichten also des zwölften Jahrhunderts, deren Verfasser
lang und kurz gemessene Verse bilden, die sich in das Schema
der drei oder vier Hebungen nicht oder nur gewaltsam fügen lassen.
Ich wüsste aber bei aller sonstigen 'Rohheit’ des vierzehnten und
fünfzehnten Jahrhunderts solche Verse in jener Zeit nicht nachzuweisen.
Den Orendel wird man mir nicht entgegen halten, wenigstens
nicht, nachdem man meine Abhandlung verfolgt hat. Von der Form