Die Anieier und die römische Dichterin Proba.
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Der Humanist Conrad Celtes, der auf seiner italienischen Reise
sicli nach Handschriften und Ausgaben römischer Classiker eifrig
umsah. bekam während seines Aufenthalts in Venedig 1487 die erste
daselbst im J. 1472 gedruckte Ausgabe des Ausonius mit dem Cento
Virgilianus der Proba zu Gesicht und erhielt dadurch nähere Kenntniss
von der Schrift unserer Dichterin. Sie erregte bei den Humanisten
besonderes Interesse vorzüglich desshalb, weil eine Frau eine
solche Dichtung verfasst hatte. Als er wenige Jahre später mit der
Herausgabe der angeblichen Werke der sächsischen Nonne Roswitha
sich beschäftigte und seine Absicht dahin ging den Italienern zu zeigen,
dass die Deutschen in der Pflege der Poesie ihnen nicht nachstünden,
ja dass sie sogar in den frühem Jahrhunderten der Barbarei schon
Musterhaftes geleistet hätten, so erachtete er es für angemessen die
römische Dichterin Proba mit der sächsischen Dichterin Roswitha zusammenzustellen,
in der Weise, dass letztere wie ein Virgil der erstem
als Quelle und Muster hätte dienen können. Er feierte die Glorificirung
der lateinischen Poesie im Mittelalter bei den Deutschen in
einem der Roswitha gewidmeten Epigramm, das lautet:
Si Proba magniloquum cogens centone Maronem
Atque aluit doctum quos tulerat Latium,
Hane nostram legerent Saxono sanguine cretam,
Nostrae laudassent carmine vatis opus.
In der zweiten Zeile ist durch das Druckversehen a 1 u i t anstatt
alii der Sinn entstellt, welcher offenbar folgender ist:
Wenn Proba, welche die schönen Phrasen Virgils in einem
Sammelgedichte vereinigte, und andere [derartige] römische Dichter
[wie z. B. Ausonius] diese unsere sächsische Dichterin gelesen
hätten, so würden sie das Werk unserer Sängerin durch ein Gedicht
[d. i. durch einen Cento oder eine Vers-Sammlung daraus] geloht
haben.
Der Kern des Epigramms ist demnach keineswegs eine Gleichstellung
der Proba und der Roswitha sondern vielmehr eine Ver-Augustum,
Theodosii majoris lilium et Arcadii Augusti fratrem. Bei Maittaire Corp.
poet. lat. T. II. p. 1624, in der Maxim. Bibi. Patr. (Lugd.) V. p. 1218 und bei
Migne, quarti saec. poet. Christ, opp. Paris 1846 finden sich auch Abdrücke.
*) Es behauptet dies E. Munk (in Lehmann’s Magazin f. d. Lit. d. Auslands. Berl. 1869.
N. 10. S. 136). Indem er in höchst willkürlicher Weise aluit in alios, legerent