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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Anicier  und  die  römische  Dichterin  Proba.

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Proba  hinsichtlich  ihres  vollständigen  Namens,  ihrer  Herkunft  und
Familienbeziehungen  mit  einander  verschmolzen  und  confundirten  ').
Wenn  man  in  Erwägung  zieht,  daß  die  historische  Persönlichkeit
der  Valeria  Falconia  Proba,  Frau  des  Proconsuls  Adelphius,  keine
feste  Grundlage  hat,  sondern  nur  auf  einigen  nach  Interpolationen
gemachten  Überlieferungen  beruht,  dagegen  die  Anicia  Faltonia
Proha,  die  Gemahlin  des  S.  Petronius  Probus,  durch  eine  Anzahl
echter  Inschriften  und  zuverlässlicher  Berichte  zeitgenössischer
Schriftsteller  hinsichtlich  ihrer  Existenz  in  der  Zeit  des  Theodosius
und  Honorius,  ihrer  hohen  Familienstellung  wie  auch  ihrer  ungewöhnlichen ­
  Bildung  und  frommen  Richtung  vollkommen  sicher
gestellt  ist:  so  wird  man  nicht  anstehen,  die  Autorschaft  des  Cento
Virgilianus  nicht  der  Valeria  Falconia  Proha,  sondern  der  Anicia
Faltonia  Proha  zuzusprechen.
Aber  die  Isidorischen  Interpolationen  sind  beachtenswerth:  sie
sind  nicht  ganz  willkürlich  gemacht.  Wenn  die  darin  vorkommenden
Versehen,  Entstellungen  und  Missverständnisse  berichtigt  werden,
wird  sich  zeigen,  dass  sie  nicht  von  einem  Unwissenden  herrühren,
sondern  von  jemand,  dem  die  Familienbeziehungen  der  Proba  bekannt
waren.  Der  unrichtige  Name  Falconia  anstatt  Faltonia  lässt  sich
leicht  durch  eine  falsche  Lesung  oder  durch  ein  Schreibversehen  erklären. ­
  Die  zu  Proha  beigefügten  Buchstaben,  welche  man  VALeria
las,  mögen  corrumpirt  sein  und  die  Sigla  CLF  (Clarissima  Femina)
geliefert  haben.  Der  Beisatz  uxor  Adelphi  Proconsulis  ist  eine  ungenaue ­
  und  missverstandene  Angabe  der  Familienbeziehung  der  Anicia
Proba:  sie  war  nicht  Frau,  sondern  Tochter  des  Olybrius  Hermogenes,
  mit  dem  Beinamen  Adelphius,  der  nicht  nur  Consul  und
Stadtpräfect,  sondern  auch  Proconsul  von  Afrika  gewesen  war.
Den  Namen  Faltonia  führte  die  Proba  nach  ihrem  Oheim  Prohns

*)  Job.  Vossius  de  Poet.  lat  hat  Falsches  und  Richtiges:  Honorii  et  Theodosii
junioris  aetate  fuit  Proba  Falconia  scu  Faltonia,  uxor  Adelphi,  proconsulis  viri,
matcr  Julianae,  sct.  Demetriadis  avia.  ßiihr.  die  christl.  Dichter  u.  Geschichtschr.
Roms.  Karlsruhe  18116,  S.  39.  Über  den  Namen  einer  Dichterin  herrscht  grosse
Verschiedenheit,  da  neben  den  gewöhnlichen  Namen  Proba  Falconia  die  Namen
Faltonia,  Valeria  Faltonia,  Proba  Valeria  etc.  fvorkominen.  Bähr  gibt  weiter  an:
Isidor  nennt  sie  Gemahlin  des  Adolphus  (sic),  dagegen  Funcke  und  G.  J.  Voss  Gemahlin ­
  des  Consuls  S.  Petronius  Probus,  dagegen  schieden  von  dieser  die  Dichterin
Falconia  Proba  die  Litterarhistoriker  Saxe  und  Fabrieius  und  setzten  sie  ins
            
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