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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Anicier  und  die  römische  Dichterin  Proba.

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Geschlechte  in  Verwandtschaft,  sie  stellten  aber  solche  dadurch
her,  dass  des  Kaisers  Justinus  Neffe  sich  mit  einer  Anicierin  vermählte, ­
  aus  welcher  Ehe  Germanus  entsprosste,  der  unter  der  Regierung ­
  seines  Vetters  dustiniau  als  Magister  Militum  Kriegsheere  gegen
die  Ostgothen  befehligte.  Derselbe  heirathete  die  Mathasuenta,  die
Enkelin  Theodorichs  des  Grossen,  die  Witwe  des  nach  Constantinopel
  gebrachten  ostgothischen  Königs  Witigis.  Aus  dieser  Verbindung ­
  des  Anicischen  Hauses  mit  der  ostgothischen  Königsfamilie ­
  der  Amaler  entsprosste  der  jüngere  Germanus,  welchem
vom  kinderlosen  Justinian  die  Kaiserherrschaft  bestimmt  war  sowohl ­
  im  Orient  wie  im  Occident.  Der  frühe  Tod  dieses  Germanus
  vereitelte  den  Plan  ')•  Als  durch  Belisarius  Rom  dem
byzantinischen  Reiche  wieder  gewonnen  wurde,  besonders  mit  Hilfe
der  dort  mächtigen  Senatoren  aus  der  Anicischen  Familie,  gelangte
dieselbe  wieder  zu  hohem  Ansehen  in  Rom.  Freilich  traf  sie  auch
ganz  besonders  die  Verfolgung  der  Ostgothen,  als  deren  König  Totilas
die  Stadt  eroberte  (54t>)  und  die  vornehmsten  Anicier,  die  Senatoren
Maximus  ä)  und  Olybrius,  gefangen  nahm  in  der  Peterskirche,
wohin  sie  sich  mit  einer  Anzahl  vornehmer  Römer  geflüchtet  hatten.
Totilas  warf  den  beiden  Aniciern  wie  den  übrigen  römischen  Senatoren, ­
  welche  in  seine  Gewalt  gefallen  waren,  ihre  grosse  Undankbarkeit ­
  gegen  die  gothische  Regierung  vor,  unter  deren  Schutz  und
Schirm  sie  in  Ansehen  und  Reichthum  gelebt  hatten  und  von  welcher
ihnen  hohe  Staatsämter  übertragen  worden.  Ungeachtet  dieser  vielen
grossen  Gunstbezeigungen  hätten  sie  in  verrätherischer  Weise  die
Byzantiner,  die  ihnen  nur  Übles  zugefügt,  herbeigerufen  s ).
Lambecius  in  denCommentar.  de  bibliotheca  Vindobonensi  II.  p.  119  tl.  u.  I.  p.  106.
Herrgott,  genealog.  dipl.  august.  gentis  Habsbnrg.  I.  Prol.  p.  LXIX  sqq.)  beweisen.
Es  ist  überflüssig  diese  abenteuerlichen  genealogischen  Versuche  zu  widerlegen.
Mascov,  (lesch.  d.  Teutschen,  I.  S.  482,  not.  1  hat  sie  schon  gehörig  gewürdigt.
*)  Jordan,  de  reb.  Get.  e.  60.  Mathasuentam  jugalem  ejus  (Witigis)  fratri  (leg.
fratris  filio)  suo  Germano  Patricio  conjunxit  Imperator.  De  quibus  posthumus  patris
Germani  natus  est  lilius  item  Germanus.  In  quo  conjuncta  Aniciorum  gcns  cum
Amala  stirpc  spem  adhuc  utriusquc  gencris  domino  pracstante  promittit.
2 )  Wohl  der  gleichnamige  Consul  des  Jahres  523.  Procop.  de  bell.  Gothic.  I.  25
spricht  von  einigen  römischen  Senatoren,  die  exilirt  und  später  von  Belisarius  restituirt
  worden.  Er  nennt  darunter  Maximus:  ov  dy  6  7rpo7rarwp  Ma^tp.og  ro  sg  Ba-Xevrtvtavöv
  ßaaiXia.  itäSoS  eip^aazo.  Vgl.  Procop.  de  bell.  Goth.  III.  20.  IV.  34.
8 )  Procop.  de  bello  Gothic.  III.  20  II'.  p.  263  fll.  ed.  Bonn.  Dass  die  Anicier  Maximus
und  Olybrius  dieselben  gewesen,  welche  523  und  526  das  Consulat  bekleidet  hatten,
lsl  höchst  wahrscheinlich.
            
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