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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Aschbach

eines  Tyrannen  und  Usurpators  verfahren  wurde  *).  Oie  Regierung
des  Petronius  Maximus  hatte  drei  Monate  gedauert  a ).
Nach  einer  vierzehntägigen  Plünderung  Roms  durch  die  Vandalen
kehrte  der  König  Geiserich  mit  unermesslicher  Beute  und  vielen
Kriegsgefangenen  nach  Africa  zurück.  Unter  den  Gefangenen  befand
sich  auch  die  verwitwete  Kaiserin  Eudoxia  mit  ihren  beiden  Töchtern. ­
  Die  ältere,  auch  Eudoxia  geheissen,  wurde  die  Gemahlin  Hunerichs,
  Sohnes  des  Vandalenkönigs  Geiserich.
Das  weströmische  Kaiserreich  bestand  nach  dieser  Katastrophe
nur  noch  zwei  Decennien.  Sechzehn  Jahre  lang  herrschte  der  Sueve
Ricimir,  an  der  Spitze  der  germanischen  Truppen  in  römischen
Kriegsdiensten.  Er  setzte  Kaiser  ein  und  ab,  oder  er  Hess  den
Thron  erledigt  und  regierte  selbständig  nach  Gutdünken  und  Willkür. ­
  In  rascher  Folge  war  nach  der  Ermordung  des  Petronius
Maximus  der  Kaiser  Avitus  erhoben,  abgesetzt  und  ermordet  worden:
gleiches  Schicksal  hatte  Majorian,  dem  nach  dem  Willen  Ricimir’s  Libius
  Severus  folgte,  und  als  dieser  (465)  mit  Tod  abging,  blieb  der
Kaiserthron  unbesetzt  zwei  Jahre  hindurch,  bis  von  Constantinopel
aus  Anthemius  gesendet  wurde  und  dieser  mit  Ricimir  gemeinschaftlich ­
  regierte.  In  der  Zeit  der  Verwirrung  und  des  Verfalls  der  alten
Auctorität  gelang  es  dem  römischen  Senat  wieder  einiges  Ansehen  zu
gewinnen,  und  aus  seiner  Mitte  erhoben  sich  einzelne  vornehme  Römer ­
  zur  Bedeutung,  namentlich  gewannen  die  reichen  Anicier  wieder
grossen  Einfluss.  Als  Ricimir  mit  dem  Kaiser  Anthemius  verfallen
und  mit  ihm  in  offenen  Krieg  gerathen  war,  schloss  er  sich  an  die

t)  Sidon.  Apollin.  1.  c.  und  Panegyr.  in  Avit.  442.  Diese  Quelle  gibt  an,  dass  der
Kaiser  zuerst  von  einem  burgundischen  Miethssoldaten  niedergestossen  worden
sei.  Jordan,  de  reb.  Get.  c.  44  nennt  einen  quidam  (Jrsus  miles  Romanus.  Procop.
de  bell.  Vand.  I.  c.  5  und  9.  Dieser  spricht  ausdrücklich  von  der  Steinigung.  Die
Hist.  Miseell.  Plurimis  nobilibus  seu  popularibus  ex  urbe  fugientibus,  inter  quos
etiain  Maximus  tyrannus  fugiens  a  Romanis  perimitur.  Prosper.  Chronic.  Maximus
—  quum  ipse  quoque  data  cunctis  abeundi  licentia  trepide  vellet  abscedere,  a
famulis  reginae  dilaniatus  et  membratim  dejectus  in  Tiberim,  sepultura  quoque
caruit.  Eckhel  hält  die  Münzen  des  Maximus  mit  der  Legende  ANICIVS  PETRO-NIVS
  MAX1MVS  für  unecht.
2 )  Marcellin.  Chronic.  Maximus  tertio  tyrannidis  suae  mense,  membratim  Romae  a
Romanis  tractus  discerptusque  est.  Idat.  Chronic.  Cum  (Maximus)  imperium  deserere
vellet  et  Romam,  vix  quatuor  regni  sui  meusihus  expletis,  in  ipsa  urbe  tumultu
populi  et  sedi  Jone  occiditur  militari.
            
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