Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Anieier  und  die  römische  Dichterin  Proba.

407

Diese  eigenthümlichen  Zustände  in  Italien  traten  recht  sichtbar
heim  Tode  Valentinians  III.  an  den  Tag.  Für  diesen  schwachen  abendländischen ­
  Kaiser,  den  Enkel  Theodosius  des  Grossen,  hatte  lange
die  Mutter  Placidia  die  Zügel  der  Regierung  geführt,  indem  Aetius,
ein  ausgezeichneter  Feldherr,  an  der  Spitze  des  Heerwesens  gestanden. ­
  Nachdem  derselbe  durch  den  glänzenden  Sieg  über  den  Hunnenkönig ­
  Attila  das  Reich  gerettet  hatte,  kam  fast  die  ganze  Regierungsgewalt ­
  in  die  Hände  des  mächtigen  Heerführers.  Er  ging  offenbar  darauf ­
  aus,  seine  Familie  mit  der  Valentinians  III.  durch  Heirath  in
Verbindung  zu  bringen  und  dadurch  seinem  Sohne  Gaudentius,  der
eine  kaiserliche  Prinzessin.  Eudoxia,  heirathen  sollte,  den  Kaiserthron
zu  verschaffen.  Mit  dieser  Sache  war  weder  die  byzantinische  noch
die  Anicische  Partei  *)  einverstanden.  Je  eifriger  Aetius  die  Heirath
betrieb,  desto  mehr  boten  die  Gegner  desselben  Alles  auf,  ihn
zu  stürzen.  Valentinian  wurde  mit  Argwohn  erfüllt,  Aetius  bedrohe ­
  seine  Regierung  und  sein  Leben:  der  schwache  Kaiser  sah
nur  in  einer  Gewaltthat  Rettung.  So  wurde  Aetius  meuchelmörderischer ­
  Weise  aus  dem  Wege  geräumt.  Mit  ihm  fiel  auch  ein  Anieier,
der  sich  von  seiner  Familie  getrennt  und  dem  Aetius  und  seinen  Plänen
angeschlossen  hatte.  Dieser  Anieier  war  der  römische  Senator  Roethius,
  Praefectus  Praetorio,  Grossvater  des  Philosophen  Roethius  a ).
Mit  dem  Sturze  des  Aetius  gelangte  der  römische  Senator
Petronius  Maximus,  der  damals  an  der  Spitze  der  Anicischen
Familie  stand  s),  in  die  besondere  Gunst  des  Kaisers:  dieser  zog  ihn
in  seine  nähere  Umgehung  und  schenkte  ihm  vorzüglich  sein  Vertrauen.
Petronius  Maximus  hatte  wie  viele  seiner  Vorfahren  eine  Reihe
von  hohen  Staatsämtern  bekleidet:  viermal  hatte  er  in  Rom  die  städ-1

 )  Jordan,  de  regn.  suecessioue:  Maxinii  Patricii,  cujus  etiam  fraude  Aetius  perierat.
2 )  Marcellin.  Coinit.  Chronic,  nennt  den  Boethius  einen  amicus  Aetii,  die  Prosperische
Chronik  gibt  ihm  die  Bezeichnung'  Praefectus  Praetorio.  Die  Historin  Miscella  ed.
Eyssenhardt  p.  337  berichtet:  Valentinianus  eum  (Aetium)  simuique  Boetium  senatorem
  nobilissimum  gladio  peremit.
3 )  Procop.  de  bell.  Vandal.  I.  c.  4  berichtet,  dass  Petronius  Maximus  aus  der  Familie
des  Spaniers  Maximus  gewesen,  der  zur  Zeit  Theodosius  des  Grossen  als  Gegenkaiser ­
  aufgetreten  war.  Dieser  falschen  Angabe  folgt  auch  Theophanes  in  seiner
Chronographie.  Procopius  selbst  widerspricht  sich,  wenn  er  (de  bell.  Gothic.
IV.  34)  den  Anieier  Maximus,  der  im  J.  523  das  Consulat  bekleidet  hatte  (vgl.
Cassiodor  Variar.  X  11  und  12),  einen  Abkömmling  des  Kaisers  Petronius  Maximus
nennt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.