Die Anieier und die römische Dichterin Proba.
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Diese eigenthümlichen Zustände in Italien traten recht sichtbar
heim Tode Valentinians III. an den Tag. Für diesen schwachen abendländischen
Kaiser, den Enkel Theodosius des Grossen, hatte lange
die Mutter Placidia die Zügel der Regierung geführt, indem Aetius,
ein ausgezeichneter Feldherr, an der Spitze des Heerwesens gestanden.
Nachdem derselbe durch den glänzenden Sieg über den Hunnenkönig
Attila das Reich gerettet hatte, kam fast die ganze Regierungsgewalt
in die Hände des mächtigen Heerführers. Er ging offenbar darauf
aus, seine Familie mit der Valentinians III. durch Heirath in
Verbindung zu bringen und dadurch seinem Sohne Gaudentius, der
eine kaiserliche Prinzessin. Eudoxia, heirathen sollte, den Kaiserthron
zu verschaffen. Mit dieser Sache war weder die byzantinische noch
die Anicische Partei *) einverstanden. Je eifriger Aetius die Heirath
betrieb, desto mehr boten die Gegner desselben Alles auf, ihn
zu stürzen. Valentinian wurde mit Argwohn erfüllt, Aetius bedrohe
seine Regierung und sein Leben: der schwache Kaiser sah
nur in einer Gewaltthat Rettung. So wurde Aetius meuchelmörderischer
Weise aus dem Wege geräumt. Mit ihm fiel auch ein Anieier,
der sich von seiner Familie getrennt und dem Aetius und seinen Plänen
angeschlossen hatte. Dieser Anieier war der römische Senator Roethius,
Praefectus Praetorio, Grossvater des Philosophen Roethius a ).
Mit dem Sturze des Aetius gelangte der römische Senator
Petronius Maximus, der damals an der Spitze der Anicischen
Familie stand s), in die besondere Gunst des Kaisers: dieser zog ihn
in seine nähere Umgehung und schenkte ihm vorzüglich sein Vertrauen.
Petronius Maximus hatte wie viele seiner Vorfahren eine Reihe
von hohen Staatsämtern bekleidet: viermal hatte er in Rom die städ-1
) Jordan, de regn. suecessioue: Maxinii Patricii, cujus etiam fraude Aetius perierat.
2 ) Marcellin. Coinit. Chronic, nennt den Boethius einen amicus Aetii, die Prosperische
Chronik gibt ihm die Bezeichnung' Praefectus Praetorio. Die Historin Miscella ed.
Eyssenhardt p. 337 berichtet: Valentinianus eum (Aetium) simuique Boetium senatorem
nobilissimum gladio peremit.
3 ) Procop. de bell. Vandal. I. c. 4 berichtet, dass Petronius Maximus aus der Familie
des Spaniers Maximus gewesen, der zur Zeit Theodosius des Grossen als Gegenkaiser
aufgetreten war. Dieser falschen Angabe folgt auch Theophanes in seiner
Chronographie. Procopius selbst widerspricht sich, wenn er (de bell. Gothic.
IV. 34) den Anieier Maximus, der im J. 523 das Consulat bekleidet hatte (vgl.
Cassiodor Variar. X 11 und 12), einen Abkömmling des Kaisers Petronius Maximus
nennt.