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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Anioier  und  die  römische  Dichterin  Probn.

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kirchliche  Schriftsteller  sprechen  <).  Es  ist  wahrscheinlich,  dass  aus
dieser  Verbindung  auch  ein  männlicher  Nachkomme,  Probus  (er
wird  ein  Sohn  des  Olybrius  genannt)  stammte,  der  (um  423)  bei
Übernahme  der  städtischen  Präfectur  eine  ganz  unmässige  Verschwendung ­
  zeigte,  indem  er  enorme  Summen  für  Spiele  und  Geschenke
verwendete  2).
Von  dem  zweiten  Sohne  des  Sextus  Petronius  Probus,  dessen
Name  Probinus  war  und  der  im  J.  39ö  mit  seinem  Bruder  Olybrius ­
  gemeinschaftlich  das  Consulat  bekleidete,  ist  weiter  nichts
bekannt s ).
Der  dritte  Sohn  wie  der  Vater  ebenfalls  Petronius  Probus
genannt,  den  eine  Inschrift  als  Quaestor  Candidatus 4 )  bezeichnet,
führte  mit  Kaiser  Arcadius  das  Consulat  im  J.  406t 5 ).
Diesem  Consul  Anicius  Probus  wird  ein  kostbares  Diptychon  aus
Elfenbein  mit  kunstreicher  Arbeit  zugeschrieben,  das  nach  Inhalt  der
darauf  befindlichen  Schrift  dem  Kaiser  Honorius  gewidmet  war.  Auf
einer  jeden  der  beiden  äussern  Flächen  der  Elfenbeintäfelchen  ist  der
bediademte  Kaiser  Honorius  in  voller  Bewaffnung  unter  einem  reich
verzierten  Bogengewölbe  dargestellt.  Auf  dem  einen  Täfelchen  hält
der  Kaiser  in  der  Rechten  die  Kreuzesfahne  oder  das  Labarum  mit
der  Aufschrift  IN  NOAUNE  XPI-  VINCAS  SEMPER-  In  der  linken
Hand  hat  er  eine  Kugel  mit  einer  Victoria,  welche  dem  Triumphator
die  Palme  reicht.  Den  Kopf  des  Kaisers  umgibt  ein  Nimbus,  worüber
die  Worte  stehen:
D  •  N  •  HONORIO  SEMPER  AVG.

*)  Über  die  hi.  Demetrias  sprechen  Hieronymus.  Augustinus,  Fulgentius.  Vgl.
Reumönt,  Gesch.  d.  St.  Rom  I.  S.  815,  wo  auch  die  Dedicalionsinschrift  auf  die
Demetrias  und  ihr  Sarkophag  im  Louvre  erwähnt  werden.
3 )  Olyinpiodor.  excerpt.  p.  470.  ed.  Bonn.
8 )  Vielleicht  bezieht  sich  auf  ihn  Auson.  Epigramm.  CXVII.  In  Faustnlum  staturae
brevis  Anicii  Probini.
**)  Die  Einladungen  zu  den  circensischen  Spielen  gingen  von  den  Quaestores  Candidali
aus.  Symmach.  epist.  VII.  ad  Auctar.  Offero  igitur  vobis  eburneum  diptychum  et
canistellum  argenteum  librarum  duarum,  filii  mei  nomine,  qui  quaestorinm  munus
exhibuit.  Der  Kaiser  Valentinian  I.  und  seine  nächsten  Nachfolger  stellten  den
Missbrauch,  solche  kostbare  Geschenke  zu  geben,  ab  und  erlaubten  den  Consuln
nur  elfenbeinerne  Diptychen  zu  ertheilen.
ö )  Fast.  Consular.  a.  406.
            
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