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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Anicier  und  die  römische  Dichterin  Proba.

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dem  durch  Feuer  theihveise  zerstörten  Piiicianischen  Palaste  liess
hundert  Jahre  später  der  Ostgothenkönig  Theodorich  die  Marmorblöcke ­
  und  Säulen  abbrechen  und  nach  Ravenna  bringen  zur  Verwendung ­
  bei  der  Errichtung  seiner  dortigen  Paläste  ').
Auch  ein  grosser  Gönner  und  Pfleger  der  Künste  und  Wissenschaften ­
  war  Probus;  überhaupt  zeigte  er  sich  als  Beförderer  alles
Edlen  und  Guten  und  als  ein  wahrhafter  Freund  der  Humanität,  [n
seiner  Umgebung  lebten  als  seine  Vertrauten  und  Freunde  die  gelehrtesten ­
  und  gebildetsten  Männer  der  damaligen  Zeit,  unter  denen
besonders  die  Dichter  Ausonius  und  Claudianus  zu  erwähnen  sind 2 ).
Die  frühere  Lebenszeit  des  Anicius  Probus  fällt  in  die  Regierung
des  Kaisers  Julianus  Apostata,  wo  unter  den  vornehmen  Römern  das
Heidenthum  noch  vorherrschend  war.  Allerdings  hatten  seit  Constantins
  des  Grossen  Zeit  sich  einige  Anicier  dem  Christenthum  zugewendet, ­
  aber  das  Anicische  Geschlecht  in  seiner  Gesammtheit  war
noch  nicht  förmlich  dem  neuen  Glauben  beigetreten,  wenn  auch  seine
Hinneigung  zu  demselben  nicht  zu  verkennen  war.  Sextus  Anicius
Petronius  Probus  sprach  sich  in  manchen  Handlungen  noch  als  Heide
aus 2 ),  aber  im  Allgemeinen  war  er  wie  seine  Familie,  schon  lange
der  christlichen  Lehre  zugethan,  ehe  er  öffentlich  sich  zu  ihr  bekannte. ­
  Kurz  vor  derZeit  seines  Todes  liess  er,  wie  es  auch  Constantin
der  Grosse  gethan  batte,  sieb  durch  die  Taufe  förmlich  unter  die
Bekenner  des  christlichen  Glaubens  aufnehmen(vor  395) 4 ).
*)  Cnssiodor.  Variar.  I.  III.  10.  Marmorn,  quae  de  domo  Pinciana  constat  esse
deposita,  ad  Ravennatem  urbem  —  dirigantur.  Im  gothischen  Krieg  bei  den
wiederholten  Belagerungen  und  Erstürmungen  Roms  in  der  Zeit  Belisar’s  war  die
Gegend  bei  dem  Pincisehen  und  Salarischen  Thor  vorzüglich  der  Schauplatz  der
Verwüstung  und  Zerstörung.
2 )  In  den  Inschriften  erhält  Probus  die  Prädicate:  civis  eximiae  bonitatis,  humanitatis
  auctor,  disertissimus,  eruditissimus,  literarum  et  eloquentiae  lumen,  auctoritatis
  exemplum,  provisionum  et  dispositionum  magister,  moderationis  patronus,
devotionis  antistes  etc.  Die  Freundschaft  des  Ausonius,  der  379  mit  dem  Anicier
Olybrius  Hermogenes  Consul  gewesen,  erhellt  aus  seinem  Briefe  XVI  ad  Probum
und  aus  Claudiani  Panegyr.  in  Consulat.  Olybrii  et  Probini  lassen  sich  dessen
freundliche  Beziehungen  zu  der  Familie  des  Probus  entnehmen.
3 )  Man  hat  von  ihm  noch  eine  Widmung  auf  die  Göttin  Juno.  S.  im  Anh.  n.  26  die
Inschrift.
4 )  Nach  dem  Epitaphium:  Jordane  ablutus  nunc  Probus  es  melior.  Vgl.  Baron,  ann.
eccl.  ad  an.  395.  Corsini  setzt  den  Tod  des  Probus  schon  um  476,  was  nicht
richtig  ist;  er  starb  sicher  viel  später.

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