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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Anicier  und  die  römische  Dichterin  Proba.

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verheirathet,  welchen  eine  Fraction  in  Constantinopel  512  zum  Kaiser
erheben  wollte.  Aus  dieser  Ehe  sprosste  Flavius  Olybrius  Junior,
der  im  J.  491  und  526  als  Consul  vorkommt  i).
Das  Petronisch-Anicische  Geschlecht  zählt  gegen  Ende  des
fünften  und  im  Anfang  des  sechsten  Jahrhunderts  noch  mehrere  Consuln
  aus  seiner  Mitte,  deren  Grade  der  Verwandtschaft  zu  einander
aber  nicht  zu  ermitteln  sind.  Die  Fasces  führten:  471  Probianus,
489  Probinus,  502  und  513  Probus,  523  Maximus,  525
Probu  s  Junior2).
Zu  welcher  Linie  des  Anicischen  Hauses  die  mit  den  Symmachern
  verschwägerte 3 )  Familie  der  ßoethier  gehörten,  ist  nicht
zu  ermitteln.  Es  ist  aber  sicher,  dass  sie  Anicier  waren 4 ).  Sie  standen
ein  Jahrhundert  hindurch  in  hohen  Staatsämtern,  und  in  drei  Generationen ­
  waren  die  ßoethier  durch  die  Bekleidung  des  Consulats  ausgezeichnet. ­

Schon  unter  Kaiser  Valentinian  III.  kommt  ein  römischer  Senator
Boethius  als  Praefectus  Praetorio  vor;  er  war  ein  treuer  Anhänger
des  berühmten  Feldherrn  Aetius.  Als  dieser  von  dem  Kaiser  ermordet
wurde  (454),  traf  den  Boethius  ein  gleiches  Schicksal  wie  seinen
Freund,  auch  er  fiel  als  ein  Opfer  des  kaiserlichen  Misstrauens  durch

Codex:  cura  et  liberalitate  .Tulianae  Aniciae,  Imperatoris  Flavii  Anicii  Olybrii  liliae,
geschrieben  worden  sei.  Vgl.  Lambecii  Commentarii  de  Bibliothec.  Vindobonensi
T.  II.  p.  119.
*)  Vgl.  unten  das  Nähere.  Der  Anicisch-Olybrischen  Familie  gehörte  sicher  auch  der
in  der  Zeit  Theodorieh’s  des  Grossen  lebende  Jurist  und  Redner  Olybrius  an,  von
dem  Cassiodor.  Variar.  VIII.  19  und  Ennod.  Epist.  I.  24.  II.  9.  III.  2  sprechen.  Sie
zählen  ihn  zu  den  römischen  Grossen.  Ein  anderer  Olybrius,  der  in  Ravenna  lebte
und  aus  einer  der  edelsten  Familien  stammte,  wurde  Mönch:  er  war  wohl  auch
aus  der  Anicischen  Familie.  Vit.  ss.  Hilarii  et  Olybrii  Confessor.  Ravennat.  Reines,
syntag.  p.69  zählt  auch  den  Petronius,  filius  Probi,  der  um  das  J.  430  Bischof  von
Bologna  war,  zu  den  Aniciern.
a )  Vgl.  das  Verzeichniss  der  Consuln  von  482—334.
De  Rossi,  Inscript.  Christ.  I.  p.  263  n.  613  gibt  von  dem  Praefectus  Anicius
Aurelius  Symmachus,  der  ins  .1.  419  gesetzt  wird,  eine  Inschrift.  Vgl.  unten  Anhang
n.  43.  Sie  gehört  wohl  in  eine  spätere  Zeit.
4 )  Alte  Vita  Boethii  in  Obbarius  Prolegg.  p.  XXVI  zu  Boethii  de  consolat.  philos.
libb.  V.  Boetius  ergo  nominatus  est  Anicius  eo,  quod  fuerit  de  {/euere  Aniciorum.
Anicii  autem  dicti  suntfabii  quasi  invicti:  a/i/eosque  namque  Graece  dicitur  invictus.
            
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