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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Anicier  und  die  römische  Dichterin  Prob».

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Es  ist  natürlich,  dass  auch  der  Anicische  Name  hei  Personen
sicli  vorfindet,  welche  nicht  der  berühmten  weitverzweigten  Familie
angehörten.  Schon  der  Umstand,  dass  reiche  Geschlechter  häufig
ihre  Sklaven  mit  der  Freiheit  beschenkten  und  die  Freigelassenen,
welche  später  in  das  volle  römische  Bürgerrecht  eintraten,  sich
den  Namen  ihrer  frühem  Herrn  beilegten,  macht  erklärlich,  dass
Freigelassene  mit  dem  Namen  Anicius 1 )  und  Anicia  2)  sowohl  in
der  Zeit  des  Freistaates,  wie  auch  in  den  Jahrhunderten  des
Kaiserreiches  Vorkommen,  und  dass  Leute  in  den  unteren  Schichten ­
  des  Volkes,  Bürgers)  und  Soldaten 4 ),  ohne  besondere  Stellung
und  Rang  mit  dem  Anicischen  Namen  bezeichnet  werden.  Bei  Manchen ­
  dürfte  es  zweifelhaft  sein,  oh  sie  dem  alten  Geschlechte  angehören ­
  oder  gleichnamigen  neuen  Familien,  wenn  sie  ein  priesterliches
Amt  oder  eine  Magistratur  in  einer  Provincialstadt  bekleiden  5 ).
Genealogisches  des  Anicischen  Geschlechts  im  4.  und
5.  Jahrhundert.
Erst  im  Diocletianischen,  mehr  noch  im  Constantinischen
Zeitalter  lassen  sich  die  Verzweigungen  und  Abstammungen  in
dem  Anicischen  Geschlechte  näher  verfolgen 6 ).  Es  theiite  sich
0  Orelli  n.  2511.  M.  Anicius,  Marci  libertus  Primus.
2 )  Reines,  synt.  inscr.  p.  714.  M.  Ulpius  Dionysius  et  Anicia  Faustina  liberti.  —
Orelli  4649.  Anicia  Glycera,  Publii  liberta.
3 )  Orelli  n.  3659.  Anicius  Varus  Cornutus.  Orelli  3636.  Anicius  Verus.
4 )  Kellermann.  Latere.  Vigil.  2,  51.  Anicius  Honoratus  und  Anicius  Silvanus.
5 )  Eine  in  Nordafrika  gefundene  Inschrift,  welche  hei  Henzen-Orelli  n.  5664  abgedruckt ­
  ist,  nennt  einen  Neptuns-Priester  L.  Fl.  Anicius  Privatus:
NEPTVNO
AVG
L  •  FL  *  ANICIVS  •  PRIVAT  VS
SA
CER  DOS  •  NE  PT  VN  I  *  AED  ,  II.  VIR
ET  Ti  VIR  •  QQ
AEDICVL  '  CVM
OMNIBUS  •  ORNAMENT  *  EI  VS  •  P  •  S  •  P  •  D
ü )  Über  die  späteren  Anicier  handelt  Reines.  Syntagm.  Inscript,  antiq.  p.  63  —  72,
aber  er  gibt  weder  eine  vollständige  und  wohlgeordnete  Zusammenstellung,  noch
ist  er  frei  von  Unrichtigkeiten.  Soweit  Anicier  als  Stadlpräfecten  von  Rom  Vorkommen, ­
  sind  die  Nachweisungen  bei  Corsini,  Praefect.  urbis.  Pis.  1763  meistens
brauchbar:  er  stützt  sich  nicht  nur  auf  Inschriften,  die  er  in  ansehnlicher  Zahl
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  LXIV.  ßd.  II.  Hft.

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