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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Anicier  und  die  römische  Dichterin  Proba.

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suis  Anicius  bezeichnet,  und  schätzten  ihn  als  Vinum  Anicianum
besonders  hoch  ').
Es  war  ohne  Zweite!  derselbe  Lucius  Anicius,  der  mit  einer
römischen  Gesandtschaft  an  den  König  Prusias  von  Pergamum
geschickt  wurde,  um  denselben  aufzufordern,  vom  Kriege  gegen  Attalus
  abzustehen  2 ).
Längere  Zeit  hindurch  vernimmt  man  nichts  von  den  Aniciern.
Während  der  Bürgerkriege  zogen  sie  sich,  obschon  sie  zur  Marianischen ­
  Partei  gehörten 3 ),  von  dem  öffentlichen  Leben  und  der  Führung
hoher  Staatsämter  zurück.  Im  Besitze  grosser  Reichthiimer  und  weiter
Länderstrecken,  vorzüglich  in  Italien,  Griechenland  und  Nordafrika,
widmeten  sie  sich  ganz  den  friedlichen  Beschäftigungen.  Sie  wandten
sich  der  Landwirtschaft,  der  Industrie  und  grossen  Bauunternehmungen ­
  zu.  Namentlich  richteten  sie  ihr  Augenmerk  auf  die  Verbesserung ­
  der  Boden  -  Cultur.  Von  ihren  weitläufigen  Ländereien
in  Sicilien  und  Africa  führten  sie  zu  Verproviantirung  der  Hauptstadt
massenweise  das  Getreide  ein,  zu  dessen  Einlagerung  die  geräumigen
Hordea  Aniciana  bestimmt  waren.  Auf  ihren  unter  den  verschiedenen
Himmelsstrichen  liegenden  Besitzungen  veredelten  sie  auch  die  Obstzucht: ­
  eine  ausgezeichnete  Sorte  von  Birnen,  die  sie  nach  Italien
eingeführt  hatten,  wurde  mit  dein  Namen^«Vwm  ÄnicianumhawAwnV 1 ).
Nach  einer  eigentümlichen  von  ihnen  erfundenen  Behandlungsweise
wurden  derartige  Birnen,  in  Rosinenwein  gelegt  und  somit  gegen
Verderbniss  geschützt,  lange  in  aller  Frische  aufbewahrt  3 ).  Zu  den
grossartigen  und  prachtvollen  Bauten,  welche  sie  in  Rom  und  in
Italien  aufführten,  Hessen  sie  aus  ihren  Ländereien  das  vortrefflichste
Baumaleriale  herheischaffen.  Sie  besassen  namentlich  in  Etrurien  am

')  Cicer.  Brut.  c.  83.  Ut,  si  quis  Palerno  vino  delectetur,  sed  eo  nec  ita  novo,  nt
proximis  consulibus  natuni  velit:  nec  rursus  ita  vetere,  ut  Opimium  (cons.  a.  U.
633)  aut  Anicium  consulein  (a.  U.  694)  quaerat:  atque  eae  notae  sunt  optimae
credo,  sed  nimia  vetustas  nec  habet  eam,  quam  quaerimus,  suavitatem.
2 )  Polyb.  XXXIII.  c.  6.
3 )  Es  ist  dieses  aus  der  Stelle  bei  Cornel.  Nep.  vit.  Pompon.  Attic.  1.  2  zu  schliessen:
Anicia,  Pomponii  consobrina,  nupserat  Servio,  fratri  P.  Sulpicii  (des  Volkstribuns,
der  auf  Sulla’s  Befehl  ermordet  worden).
^)  Macrob.  opp.  p.  403  nennt  nach  dem  Schriftsteller  Cloatius  Verus  die  feinem
Birnen  -  Sorten,  darunter  das  pirum  Anicianum.  Über  die  Obstzucht  in  Praneste.
der  Heiinath  der  Anicier,  spricht  Macrob.  p.  400.
)  Pün.  hisl.  nat.  XV.  18.  Aniciana  (pira)  observari  et  in  passo  (vino).
            
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