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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Die  Anicier  und  die  römische  Dichterin  Prohn

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Der  römische  Annalist  Calpurnius  Piso  und  Livius  erzählen,  dass
dem  erkrankten  Adilen  Anieius  Gallus  adelige  Jünglinge  einen  Besuch  gemacht; ­
  als  auch  Cn.  Flavius  dahin  gekommen,  standen  sie,  wie  die
Sitte  es  erheischte,  nicht  vor  ihm  auf.  Um  den  adeligen  Stolz  zu  demüthigen,
  liess  Flavius  den  curulischen  Sessel  holen  und  in  den  Eingang ­
  des  Gemaches  stellen,  so  dass  sie  ihn  sehen  mussten,  so  lange
sie  bei  Anieius  verweilten  oder  wenn  sie  sich  entfernten  ')•
Ob  nach  der  Führung  der  curulischen  Adilität  Q.  Anieius  Gallus
mit  seinem  Collegen  Flavius  zum  Volkstribunat  gelangte,  ist  nicht
ganz  sichergestellt  2).
In  den  Zeiten  der  beiden  ersten  punischen  Kriege  machten  sich
die  Anicier  nicht  besonders  bemerklich.  Dass  M.  Anieius  Gallus  im
J.  506  d.  St.  und  Q.  Anieius  Praenestinus  zwei  Jahre  später  Volkstribun
gewesen,  wird  angegeben  s),  ohne  dass  dafür  eine  alte  Quelle  sich
vorfindet.
Als  Ilannibal  nach  der  Schlacht  hei  Cannä  Casilinum  in  Campanien
belagerte,  vertheidigten  mit  grosser  Tapferkeit  diese  Festung
S00  Pränestiner,  unter  ihrem  Führer  M.  Anieius.  Spätere  Denkmäler
in  Präneste  und  Rom  erwähnten  in  ihren  Inschriften  dieser  Waffenthat
 4 ).
Als  die  Römer  mit  dem  macedonischen  König  Perseus  Krieg
führten,  traten  die  Anicier,  welche  nun  schon  zu  den  angesehensten

l )  Livius  (IX.  46),  der  die  Sache  nach  dem  Annalisten  Licinius  Macer  erzählt,  fügt
die  Bemerkung  bei:  Hane  memorabilem  rem  per  se,  nisi  documentum  adversus
superbiam  nohilium  plebejae  libertatis  sit,  referam.  Übereinstimmend  lautet  die  Erzählung ­
  des  Calpurnius  Piso  bei  Gell.  Noct.  Att.  VI.  9.  Valer.  Maxim.  Memor.  II.
c.  6.  berichtet  in  ähnlicher  Weise.
3 )  Plin.  1.  c.  Additum  Flavio  ut  simul  et  tribunus  plebis  esset.
3 )  Pighii  annal.  Tribun,  pleb.  ad  a.  u.  506  und  508.
Liv.  XXIII.  17—20.  Besonders  wichtig  ist  die  Stelle  c.  19:  Ceteri  (Praenestini)
incolumes  Praeneste  cum  praetore  suo  Manicio  [es  ist  zu  lesen  M.  Anicio]  (scriba
is  antea  fuerat)  redierunt.  Statua  ejus  indicio  f'uit,  Praeneste  in  foro  statuta,
loricata,  ainicta  toga,  velato  capite  et  tria  signa  cum  titulo  lamnae  aeneae  inscripto:
  Mnnicium  [M.  Anicium]  pro  militibus,  qui  Casilini  in  praesidio  fuerint,
votum  vovisse.  Idem  titulus  tribus  signis  in  aede  Fortunae  positis  fuit  subjectus.
Heumont  Geschichte  der  Stadt  Rom  I.  S.  688  hält  irrthümlicher  Weise  diesen
M.  Anieius,  Prätor  in  seiner  Vaterstadt  Praeneste,  für  den  am  frühsten  vorkommenden
Anicier.  Giorgi  (Bullettino  dell’  Instit.  di  eorrisp.  archeol.  1859.  p.  41)  theilt
diesen  Irrthum:  II  primo  degli  Anici  che  figuri  nella  istoria  di  Roma  e  M.  Anicio,
pretore  di  Preneste,  che  nell’  anno  U.  C.  536  eommandö  un  corpo  di  armati  etc.
            
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