Die Anicier und die römische Dichterin Prohn
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Der römische Annalist Calpurnius Piso und Livius erzählen, dass
dem erkrankten Adilen Anieius Gallus adelige Jünglinge einen Besuch gemacht;
als auch Cn. Flavius dahin gekommen, standen sie, wie die
Sitte es erheischte, nicht vor ihm auf. Um den adeligen Stolz zu demüthigen,
liess Flavius den curulischen Sessel holen und in den Eingang
des Gemaches stellen, so dass sie ihn sehen mussten, so lange
sie bei Anieius verweilten oder wenn sie sich entfernten ')•
Ob nach der Führung der curulischen Adilität Q. Anieius Gallus
mit seinem Collegen Flavius zum Volkstribunat gelangte, ist nicht
ganz sichergestellt 2).
In den Zeiten der beiden ersten punischen Kriege machten sich
die Anicier nicht besonders bemerklich. Dass M. Anieius Gallus im
J. 506 d. St. und Q. Anieius Praenestinus zwei Jahre später Volkstribun
gewesen, wird angegeben s), ohne dass dafür eine alte Quelle sich
vorfindet.
Als Ilannibal nach der Schlacht hei Cannä Casilinum in Campanien
belagerte, vertheidigten mit grosser Tapferkeit diese Festung
S00 Pränestiner, unter ihrem Führer M. Anieius. Spätere Denkmäler
in Präneste und Rom erwähnten in ihren Inschriften dieser Waffenthat
4 ).
Als die Römer mit dem macedonischen König Perseus Krieg
führten, traten die Anicier, welche nun schon zu den angesehensten
l ) Livius (IX. 46), der die Sache nach dem Annalisten Licinius Macer erzählt, fügt
die Bemerkung bei: Hane memorabilem rem per se, nisi documentum adversus
superbiam nohilium plebejae libertatis sit, referam. Übereinstimmend lautet die Erzählung
des Calpurnius Piso bei Gell. Noct. Att. VI. 9. Valer. Maxim. Memor. II.
c. 6. berichtet in ähnlicher Weise.
3 ) Plin. 1. c. Additum Flavio ut simul et tribunus plebis esset.
3 ) Pighii annal. Tribun, pleb. ad a. u. 506 und 508.
Liv. XXIII. 17—20. Besonders wichtig ist die Stelle c. 19: Ceteri (Praenestini)
incolumes Praeneste cum praetore suo Manicio [es ist zu lesen M. Anicio] (scriba
is antea fuerat) redierunt. Statua ejus indicio f'uit, Praeneste in foro statuta,
loricata, ainicta toga, velato capite et tria signa cum titulo lamnae aeneae inscripto:
Mnnicium [M. Anicium] pro militibus, qui Casilini in praesidio fuerint,
votum vovisse. Idem titulus tribus signis in aede Fortunae positis fuit subjectus.
Heumont Geschichte der Stadt Rom I. S. 688 hält irrthümlicher Weise diesen
M. Anieius, Prätor in seiner Vaterstadt Praeneste, für den am frühsten vorkommenden
Anicier. Giorgi (Bullettino dell’ Instit. di eorrisp. archeol. 1859. p. 41) theilt
diesen Irrthum: II primo degli Anici che figuri nella istoria di Roma e M. Anicio,
pretore di Preneste, che nell’ anno U. C. 536 eommandö un corpo di armati etc.