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S c h e r er
Rüth Odins an seinen Schützling Loddl'afnir. Der Exoniensis enthält
(Grein 2, 347) Lehren eines Vaters an seinen Sohn mit epischem
Eingang, der sich wiederholt mit einer Zählung der Riithe. Aus der
deutschen Poesie erwähne ich den Faustinianus der Kaiserchronik
43, 22 ff. 81, 18 ff. Diem., den dritten Theil von Tirol und Fridebrant
und den Winsbeken (vergl. wie bei Wirnt 293, 14 Gawein seinen
Sohn Wigalois über die Ritterpflichten belehrt). Beiden letzteren
ist die Anspielung auf Wolframs Parzival gemein, und die Strophe
des Winsbeken muss man wohl als eine Fortbildung der Tirolstrophe
ansehen <). Die Form der Lehre an einen jungen Mann, aber mit
einheitlichem Thema, auch bei Walther 22, 32. 91, 17.
Wir kommen zur eigentlichen Gnome, dem Denkspruch. Die
Überlieferung des Anonymus sondert den mehr weltlichen und allgemein
moralischen wie 29,34 vom streng geistlichen und kirchlichen
wie 28,34. Mit Recht, wie mir scheint: ersterer ist alt und national,
dieser ohne Zweifel erst aus der geistlichen Poesie des eilften und
zwölften Jahrhunderts übernommen. Zur Vergleichung mit beiden
Arten ist zunächst Denkm. Nr. 49 herbeizuziehen.
An die geistliche Lebensregel reiht sich die kirchliche Lehre
überhaupt und das Gehet, sowie die Sündenklage. Davon war schon
oben S. 288 [6J. 328 [46] die Rede. Sogar geistliche Lieder für das
Volk traten im dreizehnten Jahrhundert hinzu.
Die weltliche Lebensregel zieht, wie wir sahen (S. 334 [82])
auch die Liebe in ihr Bereich, und durch individuelle Anwendung der
allgemeinen Sentenz geht sie ins Liebeslied selbst über.
Hiermit stehen wir auf dem persönlichen Gebiet, auf dem
Boden der persönlichen Interessen, die sich unmittelbar aussprechen.
Klagen über individuelles Missgeschick und verfehltes bedrängtes
Leben beim Anonymus, bei Spervogel, Walther und manchen
anderen; Loblieder, Trauerlieder, Spottlieder (ältestes Denkm.
*) Die Tirolstrophe ist die sechszeilige Schwester der Moroltstrophe, also durchweg
stumpf gereimt mit einer (ursprünglich gewiss meist klingenden) Waise vor der
letzten Zeile. Der Winsheke hält sich an die Grundsätze des dreitheiligen Baues:
in den vier ersten Versen muss die Reimfolge aabb der Ordnung abab weichen, um
die Stollen zu ergehen, und das dritte Reimpaar wird saniint der Waise verdoppelt:
die erste Hälfte des Doppelpaars erhält, um Stollen'und Ahgesang zu hinden, den
Reim bb\ die zweite Hälfte hehiilt c'c. Alle Reime aber stumpf und ebenso die
Waisen.