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Scherer
Vergl. Herder Zerstr. Blätter 5, 241 : 'In den Sprüchen Salonions
und im Sirach ist schon der Keim der Priameln da, woher ihre Form
auch genommen scheint.’ Aber die Priamel als poetische Gattung ist
der germanischen Poesie eigenthiimlich, und nur die Form der Häufung
im Sprichwort und derGnome lässt sich auch sonst nachweisen.
In den germanischen Litteraturen selbst hat daher die Priamel eine
losere und eine strengere Form. Beide finden sich schon in den
Häva mal und bei Spervogel. Uber sonstiges Vorkommen vergl. Wh.
Grimm Freidank S. CXXII: die von ihm cilirte Strophe Reinmars des
alten gehört diesem aber nicht, s. MF. S. 308. Unter den Spruchdichtern
können am ehesten noch Gast und Boppe, weniger der
Kanzler oder Marner, neben Spervogel genannt werden; aber auch
Frauenlob (Spr. 402 Ettm., vergl. auch 54) mit einer ganz strenggebauten
Priamel. Sonst vergl. die bekannten Sammlungen von
Eschenburg, Weckherlin, Leyser, Keller (Alte gute Schwänke und
Fastnachtspiele Bd. 3) und Pfeiffers Germania 3, 368. 3, 44. Ausserdem
Uhländs Schriften 2, 324; Wackernagel Litt. S. 429; Gödeke
S. 89. 95. 98.
Die eigenthümlichste Gestalt der Priamel hat es auf Überraschung
des Hörers und auf eine komische Wirkung abgesehen. Zu
gleichem Zwecke bedient sich das Lügenmärchen (Wh. Grimm
Kinderm. 3, 408; Wackernagel Litt. S. 219) gerne der Figur der
Häufung. Auch dies eine alte Gattung (Denkm. Nr. 20) und im dreizehnten
Jahrhundert durch fahrende Spruchdichter gepflegt: durch
Reinmar (161. 162), dessen Lügenlieder Marner (38) nur eine Erneuerung
alter Erfindungen nennt, und durch Marner selbst (55).
Über das Alter des Sprichwortes wäre es überflüssig sich
auszulassen. Aber die Häufung desselben, die Aneinanderreihung
mehrerer Sprüche erfordert eine Bemerkung.
Wir haben gesehen, wie diejüngeren oben betrachteten Gedichte
(S. 324 [42]) unmerklich in die Weise Freidanks — auch ein Fahrender,
aber kein Lyriker — übergehen. Zum Theil mag noch persönlicher
Bezug solchen Reihen ihre Einheit geben, zum Theil aber hält
sie nur sachliche Verwandtschaft zusammen, wie ja auch Freidank
sie nicht bunt und regellos unter einander gewürfelt hat. Von den
späteren Lyrikern reiht sich an Spervogel und Freidank im Grunde
nur der vielseitige Marner an, HMS. 11. 251 (Str. 74. 75) III. 432 a .
Und die Gedichte des vierzehnten Jahrhunderts bei Lassberg, 'die