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Scherer
Nur sind die Gattungen schwer zu scheiden. Die Ecbasis ist
eine Parabel, sie ist per tropologiam gedichtet. Aber jede beliebige
Fabel kann ebenso verwendet werden, ich kann von Wolf und Lamm
erzählen und ganz bestimmte Personen meinen. Beim Anonymus finden
wir 29, 13 eine sichere Parabel: der Garten, in den der Dichter
stieg, ist ein Herrenhof; das Obst sind Geld und Kleider und andere
Gaben; das Schütteln des Astes sind seine vergeblichen Bitten oder
zarten unverstandenen Andeutungen. Eine Parabel desselben Sinnes
(vergl. oben S. 289 [7]) beim Spervogel 23, 13. Eine zweite 23, 29.
Aber was ist der Spruch 30, 20 des Anonymus? Ich habe ihn oben
als Menschenfabel aufgeführt. Aber eigentlich ist es keine Erzählung,
sondern auf eine Thatsache wird hingewiesen, auf etwas das zu
geschehen pflegt, und dies offenbar im Sinne einer praktischen Lehre.
Etwa sollte ein Gönner des Dichters dadurch aufgefordert werden,
sein Gesinde von demoralisirenden Elementen zu reinigen. Derselbe
Stoff, etwas anders gewendet, findet sich beim Guter HMS. 3, 42:
dort wird nur eine Lehre daran geknüpft, die wir etwa durch das
Sprichwort 'böse Beispiele verderben gute Sitten’ ausdrücken
würden.
Blosse Deutung von wirklichen oder vermeinten Thatsacben
bieten auch die zahlreichen Sprüche, in denen die bekannten Physiologi
als Quellen benutzt sind. Auch in der Form von Träumen
oder an erfundene Symbole geknüpft kann dergleichen Vorkommen.
Eine wirkliche Parabel des 12. Jahrhunderts mit geistlicher
Deutung ist die Millstädter 'Hochzeit’. Von den unter Strickers
Namen gehenden erwähne ich hei Hahn Str. 9. 13, in Wackernagels
Lesebuch von 1847 Nr. 5 (Sp. 567 f.), in Docens Miscell. 1, 51. 2,
211: alle geistlich. Andere dergleichen hei Wernher von Elmendorf
153 ff. in der Warnung 2707 ff. im Liedersaal 1 , 253 usw.
Dagegen enthält die Parabel in Spruchform Waith. 106, 24 einen
Batli an den König.
Keim der Parabel ist der Vergleich -—• um nicht zu sagen:
das Gleiehniss, weil wir auch Parabeln, namentlich die biblischen
des neuen Testamentes, so zu bezeichnen pflegen. Hierher gehört
Anonymus 29, 27; Stricker hei Hahn Str. 1. 2; Frauenlob 192.
203. Das Alter der Gattung belegt z. B. Häva mal Sir. 90 Bugge.
etwas Emblematisches in sich.’ Herder Zerslr. Bl. 3, 87. Hegel würde freilich
MK. 29, 13 nicht eine Parabel, sondern ein Bild’ nennen nach Ästhetik I, .'»25.