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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Scherer

Nur  sind  die  Gattungen  schwer  zu  scheiden.  Die  Ecbasis  ist
eine  Parabel,  sie  ist  per  tropologiam  gedichtet.  Aber  jede  beliebige
Fabel  kann  ebenso  verwendet  werden,  ich  kann  von  Wolf  und  Lamm
erzählen  und  ganz  bestimmte  Personen  meinen.  Beim  Anonymus  finden
wir  29,  13  eine  sichere  Parabel:  der  Garten,  in  den  der  Dichter
stieg,  ist  ein  Herrenhof;  das  Obst  sind  Geld  und  Kleider  und  andere
Gaben;  das  Schütteln  des  Astes  sind  seine  vergeblichen  Bitten  oder
zarten  unverstandenen  Andeutungen.  Eine  Parabel  desselben  Sinnes
(vergl.  oben  S.  289  [7])  beim  Spervogel  23,  13.  Eine  zweite  23,  29.
Aber  was  ist  der  Spruch  30,  20  des  Anonymus?  Ich  habe  ihn  oben
als  Menschenfabel  aufgeführt.  Aber  eigentlich  ist  es  keine  Erzählung,
sondern  auf  eine  Thatsache  wird  hingewiesen,  auf  etwas  das  zu
geschehen  pflegt,  und  dies  offenbar  im  Sinne  einer  praktischen  Lehre.
Etwa  sollte  ein  Gönner  des  Dichters  dadurch  aufgefordert  werden,
sein  Gesinde  von  demoralisirenden  Elementen  zu  reinigen.  Derselbe
Stoff,  etwas  anders  gewendet,  findet  sich  beim  Guter  HMS.  3,  42:
dort  wird  nur  eine  Lehre  daran  geknüpft,  die  wir  etwa  durch  das
Sprichwort  'böse  Beispiele  verderben  gute  Sitten’  ausdrücken
würden.
Blosse  Deutung  von  wirklichen  oder  vermeinten  Thatsacben
bieten  auch  die  zahlreichen  Sprüche,  in  denen  die  bekannten  Physiologi
  als  Quellen  benutzt  sind.  Auch  in  der  Form  von  Träumen
oder  an  erfundene  Symbole  geknüpft  kann  dergleichen  Vorkommen.
Eine  wirkliche  Parabel  des  12.  Jahrhunderts  mit  geistlicher
Deutung  ist  die  Millstädter  'Hochzeit’.  Von  den  unter  Strickers
Namen  gehenden  erwähne  ich  hei  Hahn  Str.  9.  13,  in  Wackernagels
Lesebuch  von  1847  Nr.  5  (Sp.  567  f.),  in  Docens  Miscell.  1,  51.  2,
211:  alle  geistlich.  Andere  dergleichen  hei  Wernher  von  Elmendorf
153  ff.  in  der  Warnung  2707  ff.  im  Liedersaal  1  ,  253  usw.
Dagegen  enthält  die  Parabel  in  Spruchform  Waith.  106,  24  einen
Batli  an  den  König.
Keim  der  Parabel  ist  der  Vergleich  -—•  um  nicht  zu  sagen:
das  Gleiehniss,  weil  wir  auch  Parabeln,  namentlich  die  biblischen
des  neuen  Testamentes,  so  zu  bezeichnen  pflegen.  Hierher  gehört
Anonymus  29,  27;  Stricker  hei  Hahn  Str.  1.  2;  Frauenlob  192.
203.  Das  Alter  der  Gattung  belegt  z.  B.  Häva  mal  Sir.  90  Bugge.

etwas  Emblematisches  in  sich.’  Herder  Zerslr.  Bl.  3,  87.  Hegel  würde  freilich
MK.  29,  13  nicht  eine  Parabel,  sondern  ein  Bild’  nennen  nach  Ästhetik  I,  .'»25.
            
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