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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Scherer

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epische  Fabel  ohne  Zweifel  vom  10.  bis  zum  13.  Jahrhundert  mit
aller  epischen  Poesie  den  Weg  von  knappem,  raschem,  mehr  alldeutendem ­
  Ton  zu  einer  gewissen  Fülle  und  behaglichen  Ausführlichkeit
zurückgelegt.
Die  Thierfabel  im  Spruch  verfolgen  wir  vom  Anonymus  zu
Reinmar  von  Zweter  (201),  Marner  (HMS.  2,  244.  245.  249.  Str.
50.  57.  68),  Süsskind  (HMS.  2,  260),  Kanzler  (HMS.  2,  398.
Str.  70),  Konrad  von  Würzburg  (HMS.  II.  Str.  48.  49),  Stolle
(HMS.  III.  Str.  26.  37),  Kelin  (18),  Frauenloh  (Spr.  204  Ettm.),
Heinrich  von  Mügeln  (bei  Müller  14  Nummern,  dazu  zwei  Germ.  5,
286).  Letzterer  vielleicht  mit  dem  Anonymus  am  nächsten  zu  vergleichen ­
  :  beide  sind  darauf  aus  die  Fabel  als  Gattung  zu  pflegen,
die  anderen  greifen  mehr  zufällig  und  gelegentlich  darnach.
Natürlich  dass  auch  Freidank  sich  der  Fabel  bediente,  entweder
sie  in  knappster  Form  mittheilend  oder  darauf  anspielend  w'ie
Walther  13,  26.
Mensch  enfahel.  Anstatt  der  Thiere  treten  Menschen  schon
in  der  äsopischen  Fabel  auf.  Menschliches  Tluin  und  menschliche
Gesinnung  werden  vorbildlich  genommen.  So  beim  Anonymus  29,  20
und  30,  6:  Fabeln  die  von  den  einfachsten  Verrichtungen  des  Ackerbaues ­
  und  der  Obstzucht  hergenommen  sind.  Auch  solche  linden
sich  natürlich  bei  Spruchdichtern,  z.  B.  bei  Reinmar  178.  179.  193,
heim  Goldener  HMS.  III.  51,  bei  Frauenlob  Spr.  76.  77  Ettm.,  wie
bei  allen  mittelalterlichen  Dichtern  epischer  Fabeln  (in  Hahns
Stricker  z.  B.  Nr.  3.  6—8).  In  der  Fabel  vom  gegessenen  Herzen
hat  der  Adelger  der  Kaiserchronik  zum  Theii  Menschen  an  die  Stelle
der  Thiere  gesetzt.
Aber  auch  jede  an  sich  interessante  menschliche  Begebenheit
kann  benutzt  werden  ,  um  eine  Lehre  daraus  zu  ziehen.  Insofern
gehören  auch  Novelle,  Märchen,  Schwank  hierher.  Es  ist  bekannt,
wie  jedem  Schwank  bei  Stricker  die  Moral  folgt.  Und  noch  im  Aesop
des  Burkard  Waldis  z.  B.  fliessen  Fabel,  Schwank,  Anekdote  unterschiedslos ­
  zusammen.  Ein  episches  Märchen  vom  menschenfressenden ­
  Riesen  (Alld.  W.  3,  178)  bringt  Konrad  von  Würzburg  (Str.
100)  in  einen  Spruch.  Natürlich  haben  die  Spielleute  sich  dieser
Gattungen  nicht  erst  bemächtigt,  um  sie  lehrhaft  zu  verwerthen.  Sonähnlichen

  Situation  anschaulich  und  für  den  gegenwärtigen  bestimmten  Vorfall
anwendbar  machen  wollte.’
            
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