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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Schere  r

Ordnung:  a)  MF.  27,  20:  b)  27,  34;  c)  23,  21.  Lassbergs  Hs.
von  1371  ist  eine  Sammelhandschrift:  sie  hat  die  drei  Beispiele  in  ihrer
Quelle  ebenso  auf  einander  folgend  gefunden.  Aber  leicht  möglich,
dass  darin  zwischen  a  und  b  auch  MF.  27,  27  bearbeitet  war.  Gleichviel, ­
  jedenfalls  lag  dem  Bearbeiter  eine  Handschrilt  vor,  worin  wie
in  der  oben  S.  310  [28]  reconstruirten  Urbs.  Gedichte  des  Anonymus
und  Spervogels  vereinigt  waren.  Und  darin  waren  die  Sprüche  des
Anonymus  ebenso  geordnet  wie  in  unserer  Überlieferung,  aber  die
Spervogels  gingen  nicht  voraus,  sondern  folgten  der  Chronologie
gemäss  nach.
Auf  die  Frage  nach  der  Quelle,  aus  welcher  der  Anonymus  etwa
geschöpft  haben  könnte,  lasse  ich  mich  nicht  ein.  Die  Vorstellung
von  dem  Mönchthum  des  Wolfes  27,  27  findet  sich  schon  in  den
ältesten  Gedichten  der  Thiersage,  in  der  Ecbasis  und  im  Luparius
(Grimm  Reinh.  S.  CXCI).  Auf  dem  ganzen  Gebiete  der  Fabel  und
Thiersage  muss  man  sich  Wechselwirkung  zwischen  gelehrter
lateinischer  Klosterdichtung  und  volkstümlicher  Spielmannspoesie
denken.  AVar  doch  auch  Heinrich  der  Glichezare  ein  Fahrender  und
ist  die  überwiegende  Menge  deutscher  Thierfabeln  eine  Erbschaft
des  Alterthums.
Die  Vorbedingung  der  Fabel,  den  Thiermythus,  besassen  die
Germanen  vor  der  Völkerwanderung:  vergl.  Zeitschr.  für  die  österr.
Gymn.  1870,  S.  48.  Ob  sie  auch  Thierfabeln  besassen,  wissen  wir
nicht;  nur  dass  bereits  im  7.  Jahrhundert  solche  im  fränkischen
Volke  umliefen,  aus  Fredegars  rustica  fabula  dicitur  (Grimm  Reinh.
CXC1V;  Müllenhoff  Zs.  12,  409).  Kein  Zweifel  dass  damit  Prosaerzählung ­
  gemeint  ist.  Die  Franken  mochten  dergleichen  mündlich  von  den
gallischen  Provinzialen  erhalten.  Und  was  schriftliche  Überlieferung
betrifft,  so  hat  Ausonius  aus  Bordeaux  um  373  die  prosaischen  Apologe
  des  Julius  Titianus  in  Trimeter  umgesetzt  und  die  prosaische
Sammlung  vielleicht  schon  des  sechsten  Jahrhunderts,  welche  Roth
Philol.  f.  323—346  nachwies,  hat  gewiss  über  Frankreich  ihren
Weg  nach  Weissenburg  (Anonymus  Weissenburgensis)  und  anderen
deutschen  Bildungsstätten  genommen.
Seit  wann  ist  die  Thierfabel  in  der  deutschen  Dichtung  nachweisbar? ­

Die  Sage  von  Theodo  mit  der  Fabel  vom  Herzessen  hat  Fromund
  nicht  aus  cantUenis  priscis  (Grimm  Reinh.  S.  L)  mitgetheilt.
            
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