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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Deutsche  Studien.  I.

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Spielin  iiniispoesie.
Ans  den  Gedichten  der  Spervögel  lernen  wir  zuerst,  welche
Stoffe  neben  den  epischen  (dem  historischen  Lied,  dem  Volksepos,
dem  speciell  sogenannten  Spielmannsgedicht  und  der  Legende  Denkm.
Nr.  17.  37)  von  den  fahrenden  Spielleuten  überhaupt  behandelt
wurden.  Es  ist  daher  der  Mühe  werth  zu  untersuchen,  welche  einzelnen ­
  Gatfungen  ihre  Poesie  in  sich  begreift.  Schon  S.  302  [20]
wurde  gezeigt,  dass  beim  Anonymus  seihst  die  Überlieferung  einige
Unterscheidungen  an  die  Hand  gibt.  Hier  kommt  es  mir  nur  auf
eine  rasche  Übersicht  mit  wenigen  Nachweisungen  an.
Zuerst  vom  btspel.  Es  umfasst  Sprichwort,  Gleichniss,  Fabel,
Parabel,  Novelle.  Über  die  innere  Beziehung  von  Fabel  und  Sprichwort ­
  s.  Wh.  Grimm  Freidank  S.  LXXVII  ff,  Gervinus  II.  I3ä.
Wackernagel  Zs.  6,  287.  Als  ein  erzählendes  Gedicht  muss  btspel
aufgefasst  werden  in  Lamprechts  Alexander  2062  (1712),  eine  Stelle
auf  welche  schon  Lachmann  brieflich  Wilhelm  Grimm  aufmerksam
machte.  Darius  warnt  den  Alexander  vor  einem  Einfall  in  Persien,
er  würde  da  ein  solches  gestrüme  vernehmen,  da  er  (man?')  immer
vtone  molite  zellen  in  lide  unde  in  bispellen.
Die  Thierfabel  erscheint  beimAnonymus  in  fünf  Exemplaren,
27,  13—28,  12.  Bl.  3 b  der  Urbs.;  unzweifelhaft  unterschieden  von
derMenschenfabel,  wenn  ich  so  sagen  darf,  die  erst  in  einer  späteren
Gruppe  seiner  Gedichte  (IV.  2.  Bl.  4 b )  auftritt.  Eine  Moral  fehlt  in
der  Regel.  Nur  in  27,  34  nimmt  sie  breiten  Raum  ein  und  wird
Kerling  in  den  Mund  gelegt*):  die  Fabel  seihst  ist  hier  auf  eine
blosse  Inhaltsangabe  reducirt.  Gleich  darnach  aber  wird  sie  in  einer
besonderen  Strophe  erzählt,  und  die  Umarbeitung  in  Lassbergs
Liedersaal  (MF.  S.  240)  nimmt  offenbar  beide  Strophen  als  Ganzes.
Höchst  merkwürdig  sind  diese  Umarbeitungen  bei  Lassberg.
Nicht  bloss  als  Zeugnisse  des  unmittelbaren  Fortwirkens  der  Spervogelschen
  Poesie  unter  den  Spielleuten.  Die  beiden  Fabeln  des
Anonymus  die  sich  im  Liedersaal  wiederfinden  stehen  mit  der  Umarbeitung ­
  eines  Spruches  von  Spervögel  zusammen,  und  zwar  in  der

*)  Ich  meine:  bloss  die  Moral  ist  Kerling’  in  den  Mund  gelegt,  die  Anführung  also
mit  28,  3  widersceze  zu  schliessen.  Zu  der  citirten  Äusserung  Kerlings  bringt  der
Dichter  die  Erinnerung  an  die  Fabel  als  Parallele  hei.

22  *
            
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