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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

338

Scherer

5,  369  oder  a»  die  vom  goldenen  Horn  Germ.  3,  102  oder  an  den
'alten  Meistergesang’  bei  Eschenburg  Denkm.  S.  347  zu  erinnern.
Vergl.  Wackernagel  Litteraturgesch.  S.  221.
Andererseits  greifen  die  unstrophischen  Reimpaare  weit  über
ihr  ursprüngliches  Gebiet  hinaus.  Nicht  bloss  die  satirische  und  didaktische ­
  Poesie,  auch  das  Liebeslied  darf  sich  im  vierzehnten  Jahrhundert ­
  dieser  Form  bedienen,  wie  man  sicli  aus  Lassbergs  Liedersaal ­
  überzeugen  kann.
Beide  Ausschreitungen  entbehren  allerdings  nicht  ganz  des  Anhaltes ­
  in  der  älteren  Litteratur.
Das  Liebeslied  in  Reimpaaren  geht  von  der  Form  des  Liebesbriefes, ­
  des  Büchleins  aus.
Der  epischen  Strophe  bediente  sich  die  Spielmannsdichtung  des
zwölften  und  nicht  erst  des  zwölften  Jahrhunderts,  so  wie  die  österreichische ­
  volkstümliche  Epik,  welche  hierin  auch  auf  die  Österreicher ­
  Walther  von  der  Vogelweide  und  Ulrich  von  Lichtenstein
wirkte.
Walther  formt  in  seinem  Do  der  sumer  körnen  was  94,  11  eine
Strophe,  in  welcher  an  drei  Reimpaare  von  vier  Hebungen  stumpf
und  drei  Hebungen  klingend  (nur  dass  stumpf  und  klingend  nicht
nach  Belieben  wechseln  dürfen)  ein  Schluss  von  drei  gleichen
Reimen  gefugt  ist,  wie  er  aus  der  geistlichen  Poesie  des  zwölften
Jahrhunderts  (Rheinauer  Paulus,  Melker  Bonus,  Heinrichs  von  Melk
Pfatfenleben)  durch  Wirnt  von  Grafeuberg  in  die  höfische  Epik
(einerseits  die  thüringische:  Segremors,  andererseits  die  österreichisch-steirische: ­
  Krone,  Edolanz)  eingeführt  wurde.
Ulrich  von  Lichtenstein  bat  in  seinen  Memoiren  die  Reimpaare
zu  achtzeiligen  Strophen  verbunden  und  nach  dem  Beispiele  der
Nibelungenstrophe  sich  nur  stumpfe  Reime  gestattet.  (Vergl.  auch
das  Tagelied  Günthers  aus  dem  Forste.)
So  viel  über  die  Form  der  Spervogelschen  Poesie  und  ihre  Verzweigungen. ­
  Nicht  minder  fordert  der  Inhalt  zu  eingehender  historischer ­
  Betrachtung  auf.
            
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