Deutsche Studien, i.
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Dazu kommt ein innerer Grund. Heflexion, Selbstbeschauung,
Selbstanalyse nehmen überhand. Der Inhalt wird zu mächtig. Das
Gefühl ist mit der einmaligen kurzen Entladung nicht mehr zufrieden.
Es will sich entfalten, austönen. Stunden- und tagelange Träume
kommen nur in grösseren poetischen Gebilden zur Ruhe, zum Abschluss.
Dichter welche Profession daraus machen den Liebesschmerz
in sich zu pflegen, können ihren Stoff nicht mehr in dem engen Rahmen
einer Strophe bezwingen.
Friedrich von Hausen steht dem deutschen Gelegenheitsgedicht
schon sehr fern. Einstrophigkeit zeigt ausser dem Epigramm auf zurückbleibende
Kreuzfahrer 53, 31 und dem ingrimmigen 47, 33 nur
sein ältestes Gedicht In nrinem troume ich such 48, 23. Die Jahreszeit
erwähnt er nie formelhaft im Eingänge.
Veldeke hat beides, den formelhaften Eingang und viele einstrophige
Gedichte. Nur fünf Strophen in 57, 10; vier in 56, 1; drei
in 59, 23 und 62, 25; zwei in 61, 33 und 62, 11: daneben 33 einzelne
Strophen. Unter diesen manche, die man nicht Liebeslieder
nennen kann, entweder gnomisch wie 60, 13 oder satirisch, gegen
die rüeger, die basen, die nidigen 60, 29. 61. 9. 65, 5; gegen die
huote 65, 21 ; gegen den allgemeinen Charakter der, wie er meint,
sich verschlechternden Gesellschaft (wereit) 61, 1. 18. 25. 65, 13:
alles freilich Motive die dem Kreise des Liebelebens angehören.
Ulrich von Gutenburg hat neben seinem Leich nur eiustrophige
Minnelieder; Rudolf von Fenis neben sieben mehrstrophigen auch
zwei einstrophige. Auch beim Johannsdorf begegnen einige (5 unter
18 Gedichten) ganz alterthümlich kurze Liebesstrophen, umgekehrt
ein dreistrophiges Gedicht 89, 21 das sich mit einer öffentlichen
Frage, dem Kreuzzuge, beschäftigt und erst zum Schluss der Geliebten
Erwähnung thut.
Grösseren Umfang gestattet Heinrich von Rugge dem einstrophigen
Gedichte: 20 unter 31 Gedichten (vom Leich abgesehen).
Dabei ganz gnomische wie 107, 27. Vergl. auch 104, 24. 105, 24.
33. 102, 1. 14. Die Sprüche vergleichen sich mit den ähnlichen
des Veldekers, welchen (61,33) Rugge wohl in dem Liedchen 100,
34 nachgeahmt, hat.
Auch Bernger von Horheim S. 115, Hartwig von Raute S. 117,
Heinrich von Morungen (129, 5. 134, 6. 142, 19. 147,4), Reinmar
der alte (152, 25 ff. 156, 10. 167, 13. 22. 169, 33. 175. 29. 36