Scherer
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sondern ein einzelner reden. 'Kirchenlieder sind das so wenig wie
Walthers 'Zinsgroschen' oder seine antipapistischen Sprüche
(Wackernagel a. 0. S. 64).
Man vergleiche nur einmal, was sonst Wackernagel unter dem
zwölften Jahrhundert S. 43—St bringt. Auch dies freilich nicht
alles Kirchenlied und nicht alles aus dem zwölften Jahrhundert; aber
doch den ältesten Ton des geistlichen Volksliedes zum Theil treu
bewahrend. Lieder wie Kr ist ist erstanden (Wackernagel 2,43 vergl.
S.726—732; Hoffmann Kirchen!. 2. Ausg. S. 179 ff.) oder Nu bite.n
wir den heilegen geist (Wackernagel 2,44; Hoffmann S. 67) stehen
der Einfachheit des alten Leisen (Denkm. Nr. 29) noch sehr nahe.
Und nun halte man das Osterlied Kr ist ist erstanden neben den
Spruch des Anonymus (30, 20) An dem österlichen tage : wie bestimmt
trotz aller Kürze tritt dort der lyrische Charakter, der
Charakter des Hymnus hervor. Der Inhalt könnte nicht ähnlicher sein:
im Eingang die Thatsache 'Christus ist auferstanden’, darnach eine
Auffassung dieser Thatsache. Letztere aber wie verschieden hierund
dort : im Liede ganz subjectiv des sul wir alle frö sin, Krist sol
unser tröst sin; im Spruch ganz objectiv 'er hat seine Creaturen
erlöst, seinen Kindern zum Trost stieg er in die Hölle hinab.’
Ganz gewiss haben wir in den geistlichen Sprüchen des Anonymus
nur die Vorläufer der geistlichen Sprüche Walthers und aller
späterer Spruchdichter vor uns. Theils schliessen sie sich mit reinem
Lehrinhalt an die Predigt an (vergl. oben S. 288 [6]), theils sind es
Gebete, welche entweder dem Staunen über die göttliche Allmacht
und Allwissenheit (30, 27) oder dem individuellen Schuldgefühl Ausdruck
geben. Alle diese Gattungen, poetische Predigt, poetisches
Gebet, poetische Sündenklage, sind von der geistlichen Dichtung des
elften und zwölften Jahrhunderts überkommen und auf die Spruchdichtung
des dreizehnten vererbt. Die Umwandlung der Manier kann
man sich etwa an Friedrichs von Sunburg Weihnachtspruch J 31
(UMS. 3, 74), verglichen mit des Anonymus Er ist gewaltic unde
starc (28, 13), verdeutlichen. Dagegen wird Meister Alexanders Herre
got dir sungen schone (J 1—3, HMS. 3, 26) ein wirkliches Kirchenlied
zum Weihnachtsfeste sein. —
Der Spruch ist einstrophig. Erst Frauenlob, sagt man,
habe dies Gesetz durchbrochen, bei ihm fänden sich auch Sprüche
von mehreren Strophen, wie sie dann beim Regenbogen und späteren