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S c li e r e r
nicht verbürgen, dass die mehrfachen wörtlichen Übereinstimmungen
mit Freidank auf Entlehnung durch diesen beruhen. Ebensowenig
freilich das Gegentheil. Halten wir aber fest, dass dieser Dichter mit
seiner aufgehäuften Spruchweisheit näher zu Freidank gehört, als zu
den Spervögeln. Nur wenn gar zu rasch, Schlag auf Schlag, sieh
verschiedenartige Sätze folgen, wie 8, 5:
Gedanke und ougen die sint snel,
gelüclce die sint sinewel,
rede äne gnt sint toren spei —
so erinnert das an die Priamel. Str. 7 ist durch ihren Inhalt merkwürdig,
sie lautet:
Du gut den ersten man gesehuof,
den testen erkante er sä zestunt.
Er hcert gedenke sam den rauf,
diu herze sint int alliu kunt.
Swä er erkennet reinen muot,
da niml er willen viir daz guot:
den wehsei nienian tnere tuet.
Die Hs. hat 1. Da 2. beliante er sa zehaut 3. liceret 4. die .alle.
Der Gedanke der zwei ersten Zeilen findet sich auch in dem Gedicht
vom Rechte (Karaj. 13,24):
do gut pileden begatt
den aller e'resten man,
ntt sehet weih ein wunder da gescach
daz er dem jungislen under d'ougen saeh.
Gerade diese Meinung aber in derselben Formulirung wird von
Berthold von Regensburg für eine ketzerische erklärt (J. Grimm Kl.
Sehr. 4, 322).
Eine ganz ähnliche Persönlichkeit wie der Dichter von Strophe
7—9 ist der von Strophe 24—27. Auch er mehr mit Freidank zu
vergleichen. Auch er nur an geistlichem Stoff seine Gedanken zusammenhängend
entwickelnd (26. 27), sonst moralische Sprüche lose
an einander reihend (24. 25). Beide Dichter enthalten sich des
parabolischen Ausdrucks.
Grössere Energie des Vortrags und grössere Lebhaftigkeit der
Phantasie verräth der Verfasser von 28. 29. 32. Er kann als eine
Art Fortselzer der religiösen Dichtung des alten Anonymus angesehen
werden. Nur in 29 ist der Zusammenhang etwas lose. Vortrefflich
finde ich namentlich Str. 28, wo der Dichter, um.die Überfülle
der göttlichen Gnade ins Licht zu stellen, die Wendung gebraucht :