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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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S  c  li  e  r  e  r

nicht  verbürgen,  dass  die  mehrfachen  wörtlichen  Übereinstimmungen
mit  Freidank  auf  Entlehnung  durch  diesen  beruhen.  Ebensowenig
freilich  das  Gegentheil.  Halten  wir  aber  fest,  dass  dieser  Dichter  mit
seiner  aufgehäuften  Spruchweisheit  näher  zu  Freidank  gehört,  als  zu
den  Spervögeln.  Nur  wenn  gar  zu  rasch,  Schlag  auf  Schlag,  sieh
verschiedenartige  Sätze  folgen,  wie  8,  5:
Gedanke  und  ougen  die  sint  snel,
gelüclce  die  sint  sinewel,
rede  äne  gnt  sint  toren  spei  —
so  erinnert  das  an  die  Priamel.  Str.  7  ist  durch  ihren  Inhalt  merkwürdig, ­
  sie  lautet:
Du  gut  den  ersten  man  gesehuof,
den  testen  erkante  er  sä  zestunt.
Er  hcert  gedenke  sam  den  rauf,
diu  herze  sint  int  alliu  kunt.
Swä  er  erkennet  reinen  muot,
da  niml  er  willen  viir  daz  guot:
den  wehsei  nienian  tnere  tuet.
Die  Hs.  hat  1.  Da  2.  beliante  er  sa  zehaut  3.  liceret  4.  die  .alle.
Der  Gedanke  der  zwei  ersten  Zeilen  findet  sich  auch  in  dem  Gedicht
vom  Rechte  (Karaj.  13,24):
do  gut  pileden  begatt
den  aller  e'resten  man,
ntt  sehet  weih  ein  wunder  da  gescach
daz  er  dem  jungislen  under  d'ougen  saeh.
Gerade  diese  Meinung  aber  in  derselben  Formulirung  wird  von
Berthold  von  Regensburg  für  eine  ketzerische  erklärt  (J.  Grimm  Kl.
Sehr.  4,  322).
Eine  ganz  ähnliche  Persönlichkeit  wie  der  Dichter  von  Strophe
7—9  ist  der  von  Strophe  24—27.  Auch  er  mehr  mit  Freidank  zu
vergleichen.  Auch  er  nur  an  geistlichem  Stoff  seine  Gedanken  zusammenhängend ­
  entwickelnd  (26.  27),  sonst  moralische  Sprüche  lose
an  einander  reihend  (24.  25).  Beide  Dichter  enthalten  sich  des
parabolischen  Ausdrucks.
Grössere  Energie  des  Vortrags  und  grössere  Lebhaftigkeit  der
Phantasie  verräth  der  Verfasser  von  28.  29.  32.  Er  kann  als  eine
Art  Fortselzer  der  religiösen  Dichtung  des  alten  Anonymus  angesehen ­
  werden.  Nur  in  29  ist  der  Zusammenhang  etwas  lose.  Vortrefflich ­
  finde  ich  namentlich  Str.  28,  wo  der  Dichter,  um.die  Überfülle
der  göttlichen  Gnade  ins  Licht  zu  stellen,  die  Wendung  gebraucht  :
            
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