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In der Auffassung dieses Anhanges muss man zum Th eil
Pfeiffer a. 0. gegen Wilhelm Grimm (Freidank erste Ausg. S. IX.
Zweiter Nachtr. S. 11 — 13. Haupts Zs. 12, 226) Recht geben.
Strophe 32 ist gewiss Freidanks Quelle, nicht umgekehrt 1 ). Und die
Überlieferung der Strophe 17 (= Sperv. 29 AC) auch unter Reinmar
und Dietmar von Aist darf wohl zu Gunsten ihres höheren Alters
geltend gemacht werden. Viel zu weit aber geht Pfeiffer, wenn er
S. SO den grössten Theil jener Heidelberger Gedichte dem Spervogel
zuschreiben will. Doch mögen allerdings manche aus einer Fortbildung
der von Spervogel eingehaltenen Richtung hervorgegangen sein.
Halten wir uns zunächst an die sieben Strophen in li (16—22),
deren Ton mit dem ersten des jungen Spervogel (wir können ihn den
1) Es sei mir erlaubt über Freidank, weil dessen Beurtheilung doch einmal hier in
Frage kommt, einige briefliche Äusserungen Lachmanns anzuführen. Silvester
1827 schreibt er an Wilhelm Grimm: 'Freidank hat, denke ich, wenig Sprüche
selbst gemacht, sondern er fand sie, theils prosaisch, theils schon rersificirt, nur
gewiss meistens nicht streng gereimt, — wie auch noch spätere Schreiber kürzere
Heime hinein setzten, wie 1067 [56, 5 Des marines sin ist sin gewin], so wie sie
gangbar waren: Freidank hätte sie verändert. Das Sinnreiche bei ihm ist, dass er
immer die scheinbar streitenden zusammenstellt und durch die Stellung die Gegensätze
auflöst, am deutlichsten am Ende, wo er ohne eine bestimmte politische Meinung,
aber gewiss der Ansicht der Meisten gemäss, immer Recht und Unrecht auf
beiden Seiten, des Papstes und Friedrichs, sich gegenüber stellt.’ [Vergl. H. A.
L. Z. 1829, Nr. 238, S 623.] 7. Juli 1828: 'Wenn Sie an den Freidank kommen,
habe ich für Sie eine Sammlung von Sprüchen aus der Kaiserchronik, auch wenn Sie
das anders brauchen können, ein förmliches bispel. Wir werden immer mehr finden,
dass fast. alle Gattungen des 13. Jahrh. in der Mitte des 12. schon völlig ausgebildet
waren.’ 19. November 1834 hebt er wieder hervor, Sentenzen in Versen
seien eine alterthümliche Gattung, einzelne und ganze Reihen fänden sich im
12. Jahrh. Er weist ferner hin auf die Lehren der Meister oder Alten in erzählenden
Gedichten, wie Eneide 9711, im Parz. die Mutter und Gurnemanz, Tristan
Groote S. XLV. 2590, Meier Helmbrecht. [Vergl. Über den Eingang des Parzivals
S. 229 f.] Über W. Grimms bekannte Hypothese habe ich nur die Bemerkung
ausgezogen: 'Und ist man denn gezwungen, aus der freilich auffallenden Übereinstimmung
in Ansichten und Wendungen auf Einen Dichter zu schliessen? Vieles
ist doch wohl gewiss beiden schon im Volkssprichwort gleichmässig überliefert:
hat doch Ulrich von Türheim einige von Wolframs kühnsten Bildern, die er gewiss
nicht aus ihm entlehnt hat. Vieles ist aber gewiss auch von Walther erfunden und
von Freidank nachgesprochen: aber Walthers Lieder waren auch am reichsten
an Sprüchen und waren bekannt wie keines anderen Lieder: eine besondere Vorliebe
Freidanks für Walthern kann man auch gern zugeben, und damit beruhige ich
mich für jetzt. ’