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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Scherer

behalten  wurde,  noch  für  7  Strophen  Raum.  Und  um  gerade  so
viel  Strophen  finden  wir  das  Liederbuch  in  C  vermehrt ­
  an  seinem  Schlüsse,  47—53  C  (22,  25  —  24,  8).  Die
Strophen  gehören  nicht  dem  Anonymus,  sondern  Spervogel  selbst
und  werden  grossentheils  durch  J  als  sein  Eigenthum  bestätigt.
Dass  unsere  Reconstruction  des  Liederbuches  hierdurch  auf
das  allervollkommenste  bestiTtigt  wird,  brauche  ich  nicht  erst  hervorzuheben. ­
  Wenn  aber  in  C  noch  Str.  54  (MF.  244,  49  —  60)  im  ersten
Tone  des  sogenannten  jungen  Spervogel  folgt,  so  wird  diese  wohl  erst
der  Schreiber  von  C  aus  einer  anderen  Quelle  nachgetragen  haben.
Der  junge  Spervogel.
Die  speciellere  Erörterung  über  den  jungen  Spervogel  können
wir  nun  nicht  länger  mehr  verschieben.
Sollte  der  Name  bloss  gefolgert  sein?  Man  besass  etwa  eine
Anzahl  Strophen,  wovon  ein  Tlieil  entschieden  in  Spervogels  Art,  man
wusste  aber,  dass  sie  nicht  von  Spervogel  seihst  herrührten,  erkannte
ihren  jüngeren  Charakter  und  erfand  ihnen  zu  lieb  einen  jungen
Spervogel.  Ich  meine,  diese  Annahme  wäre  so  unwahrscheinlich  als
möglich:  kein  zweites  Beispiel  könnten  wir  anführen,  wo  ebenso
verfahren  worden  wäre.
Die  Existenz  eines  jüngeren  Fahrenden,  der  auch  Spervogel
hiess  und  zum  Unterschied  von  dem  älteren  den  Beinamen  der  junge
führte,  wie  Reinmar  in  C  der  alte  heisst  zum  Unterschied  von  Reinmar
dem  Fiedler  und  Reinmar  von  Zweter,  ■—die  Existenz,  sage  ich,  eines
solchen  Fahrenden  können  wir  kaum  in  Zweifel  ziehen.  Aber  was
wissen  wir  von  seiner  Thätigkeit?
Was^I  (oder  nach  unserer  obigen  Vermuthung  die  Quelle  von  Al  und
C)  ihm  zuschrieb,  kann  unmöglich  von  einem  Dichter  herrühren.  An  vier
Strophen  von  einheitlichem  Kunstcharakter  (S.  242  ff.  Z.  1—48)
schliesst  sich  Z.  61—76  (vergl.  Bartsch  Germ.  12,131)  die  folgende: ­

Der  alten  rät
versmähet  nu  den  kindcn.
unbetwungen  eint  die  jungen,  ane  reht.  wir  leben-Untriuwe
  hat
gemacliet  dm  wir  vinden
in  dem  lande  menege  schände,  uns  ist  viir  frinde  gegeben
Ungenäde,  blote  hnobe,  wüeste  laut.
            
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