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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Deutsche  Studien.  1.

3  I  I

von  den  mannigfaltigen  Poesien  des  Anonymus  aufnahm,  in  Gruppen
von  verwandtem  Charakter.  Im  allgemeinen  setzte  er  sich  dabei  vor,
fünf  Gedichte  von  jeder  Art  zu  liefern:  S  Gönnerstrophen,  5  aus  dem
Leben  der  Fahrenden,  5  Thierfabeln,  5  geistliche  Strophen,  hierauf
eine  gemischte  Gruppe,  in  welcher  besonders  die  Gnome  absticht:
wahrscheinlich  waren  ihm  nicht  genug  solche  reine  Sittensprüehe
des  Dichters  bekannt,  um  daraus  eine  eigene  Gruppe  zu  bilden,  oder
cs  schien  ihm  nur  dieser  der  Erhaltung  besonders  werth  und  er  ordnete ­
  ihn  hier  ein,  weil  es  ihm  vielleicht  Mühe  machte,  diese  Gruppe
zu  vervollständigen:  sie  bestellt  sonst  aus  Gleichnissen,  wovon  das
erste  die  Klage  über  eine  traurige  Erfahrung  des  abgewiesenen
Spielmanns,  das  zweite,  dritte  und  vierte  allgemeine  Lehren  enthalten,
so  dass  die  Deutung  entweder  beigefügt  oder  dem  Hörer  zu  errathen
überlassen  wird.  Wenn  dann  noch  3  geistliche  Strophen  folgen,  so
sind  dem  Sammler  vermuthlich  nur  8  im  ganzen  bekannt  gewesen,
die  er  so  hoch  hielt,  dass  er  keine  derselben  verloren  gehen  lassen
wollte.
Das  ursprüngliche  Liederbuch  von  fünf  Blättern  hat  nun,  ehe  es
in  A  oder  C  abgeschrieben  wurde,  zwei  Vermehrungen  erhalten:
erstens  die  bekannte  Strophe  20,  17  am  Bande  von  Bl.  l b ,
zweitens  UI  mit  der  junge  Spervogel  bezeichnet,  zuerst  vielleicht
am  Schlüsse  beigelegt,  aber  dann  zwischen  Bl.  3  und  4  gerathen,
wo  jüngere  Schreiber  sie  ohne  weiters  mit  abschrieben,  unbekümmert
oh  dies  die  richtige  Folge.
Ein  Liederbuch  dieser  Gestalt  nun  liegt  A  zu  Grunde.  Aber  es
hatte  eine  weitere  Vermehrung  erhalten.  Die  Strophen  von  III  hatten
vermuthlich  die  ihnen  bestimmten  Blätter  nicht  ganz  gefüllt  und  der
leere  Raum  wurde  benutzt  um  5  Neidhartisehe  Strophen  und  2  sonst
dem  Leutolt  von  Seven  zugeschriebene  darauf  einzutragen.
Möglich,  dass  diese  falsche  Vermehrung  auch  C  vorlag,  dass  der
Schreiber  sich  aber  erinnerte,  die  Strophen  bereits  früher  unter  anderen ­
  Namen  (Waltram  von  Gresten  und  Leutolt  von  Seven)  abgeschrieben ­
  zu  haben.
Gewiss  aber  ist,  dass  das  ursprüngliche  Liederbuch  in  der  Gestalt, ­
  in  welcher  es  auf  C  kam,  eine  andere  Vermehrung  erhalten
hatte,  die  A  unbekannt  war.
Auf  dem  fünften  Blatte  des  Liederbuches  standen  nur  drei
Strophen.  Es  war  also,  wenn  dieselbe  Zeilenzahl  auf  der  Seite  bei-
            
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