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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Scherer

es  nicht,  wenn  wirMüllenhotFs  Hypothese  der  Liederbücher  annehmen,
das  einfachste,  auch  diesen  Liederbüchern  eine  Einrichtung  zuzutrauen, ­
  bei  welcher  28  Zeilen  oder  7  Strophen  auf  die  Seite  kamen?
Machen  wir  endlich  die  Anwendung  auf  das  Spervogel-Liederbuch.

Wir  haben  Reihen  von  5  Strophen  oder  30  Reimzeilen  gefunden. ­
  Mit  dem  Schluss  der  Gruppe  II  endigt  eine  solche  Reihe  (II.  3)
und  mit  dem  Anfang  der  Gruppe  IV  beginnt  eine  andere  (IV.  1).
Also  schliesst  mit  II.  3  ein  Blatt  und  mit  IV.  1  beginnt  ein  neues,  an
den  Schluss  einer  Reihe  von  30  Zeilen  fällt  der  Schluss  eines  Blattes,
mit  einer  neuen  Reihe  von  30  Zeilen  beginnt  ein  neues  Blatt.
Was  liegt  näher  als  die  Annahme,  dass  in  dem  alten  Liederbuche, ­
  wie  in  so  vielen  Urhandschriffen  mhd.  Gedichte,  die  Reihe
von  30  Zeilen  je  einer  Seite  entsprach?
Nun  ist  es  nicht  schwer  dieses  Liederbuch  auf  das  genaueste
zu  reconstruiren.
Nehmen  wir  an,  wie  das  in  alten  Hss.  häufig,  dass  die  Vorderseite ­
  des  ersten  Blattes  leer  blieb  der  Abreibung  wegen,  und
vertheilen  darnach  die  Dreissige.  So  erhalten  wir:
Bl.  1“  leer.
„  l b  Reihe  I.  I.
„  2«  „  I.  2.
„  2 b  „  II.  1.
„  3 a  „  II.  2.
„  3 b  „  II.  3.
*  4*  „  IV.  1.
*  4 b  „  IV.  2.
*  5“  „  IV.  3.
Man  sieht,  dass  wirklich  mit  IV.  I  ein  neues  Blatt  beginnt,  wie
es  verlangt  wurde.  Und  das  ganze  Liederbuch  bestand  aus  4  Blättern
(ohne  Zweifel  2  in  einander  gelegten  Doppelblättern)  und  einem  angeklebten ­
  fünften,  worauf  nur  3  Strophen  standen.
Es  ist  wohl  klar,  dass  wir  eine  nach  bestimmten  Gesichtspunkten
veranstaltete  Auswahl  vor  uns  haben.  Denn  der  alte  Anonymus  wird
nicht  gerade  nur3  Thierfabeln,  3  Gönnerstrophen,  3  Gedichte  aus  dem
Lehen  der  Fahrenden  gemacht  haben.  Und  vom  Spervogel  besitzen
wir  thatsächlich  noch  ziemlich  viele  andere  Strophen.  Der  Sammler
begann  also  mit  10  Gedichten  Spervogels  und  sonderte  dann,  was  er
            
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