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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Deutsche  Studien.  I.

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eine  Zeile  zugelegt  wird,  mithin  öl  Strophen  auf  das  Blatt  kommen,
so  bleiben  wir  unter  dem  Masse,  es  fehlen  uns  52  Langzeilen,  um  es
voll  zu  machen.
Unter  solchen  oder  ähnlichen  Erwägungen  mochte  sich  die  oben
vorausgesetzte  Persönlichkeit  entschlossen,  die  14  Piligrimstrophen
hinzu  zu  dichten.  Damit  war  zugleich  einer  sachlichen  Rücksicht
gedient,  ich  meine  der  Ausgleichung  zwischen  Nib.  und  Klage.  Es
ist  bekannt,  dass  dieses  Motiv  späterhin  zu  weiteren  Umgestaltungen
geführt  hat.
So  angesehen,  wird  die  'unsymmetrische  und  unpraktische  Theilung’
  wohl  nicht  länger  auffallen.
Was  das  zweite  Bedenken  anlangt,  so  wäre  es  allerdings
wünschenswerth  zu  wissen,  welche  der  uns  erhaltenen  Hss  mhd.
Gedichte  in  abgesetzten  Verszeilen  geschrieben  sind,  und  welche
nicht.  Die  Beschreibungen  drücken  sich  darüber  selten  deutlich  aus.
Aber  gefolgert  kann  unter  allen  Umständen  nicht  viel  daraus  werden,
Es  käme  darauf  an  zu  wissen,  ob  man  zu  Ende  des  12.  und  Anfang
des  13.  Jahrhunderts  in  der  eigentlichen  Blüteepoche  der  staufischen
Litteratur  die  Verszeilen  meist  absetzte.  Nur  können  Hss.  darüber ­
  wenig  lehren,  da  wir  gleichzeitige  nicht  besitzen  und  feinere
Altersunterschiede  durch  die  Paläographie  nicht  festzustellen  sind.
Eine  allgemeine  Regel  gab  es  vielleicht  gar  nicht,  ln  der  Berliner
Hs.  der  Eneit  hat,  wenn  ich  Ettmüller  S.  XI  recht  verstehe,  die
zweite  Hand  abgesetzt,  die  erste  nicht.  Von  Jugend  oder  Alter  kann
die  Sache  ganz  unabhängig  sein:  wer  fortlaufend  schrieb  wollte  Pergament ­
  sparen,  und  sparsame  Leute  gab  es  zu  allen  Zeiten.  Der
sicherste  Anhaltspunkt  sind  also  die  Dreissige,  sie  lehren  uns
mehr  als  Beobachtungen  an  Hss.  erbringen  können.  Dass  die
verhältnissmässig  späte  und  unsorgfältige’  Hs.  A  das  Verfahren
wieder  mitgenommen’  habe,  ist  eine  unrichtige  Vorstellung.  Oder
würde  man  auch  sagen,  sie  habe  den  ältesten  und  ursprünglichsten
Text  wieder  aufgenommen  gegenüber  B  und  U?  Sie  bewahrt  den
echten  Text  und  so  bewahrt  sie  die  Einrichtung  der  Urhandschrift.
Blicken  wir  auf  die  vorstehenden  Erörterungen  zurück,  so  lässt
sich  eine  letzte  Vermuthung  kaum  abweisen.  Sollte  die  Bedeutung
der  28  Zeilen  im  Ganzen  des  Nibelungenliedes  eine  andere  gewesen
sein,  als  in  jedem  einzelnen  von  Lachmanns  echten  zwanzig  Liedern
und  (nach  Miillenholfs  Nachweis)  in  manchen  Interpolationen?  Ist
            
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