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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Scherer

wie  er  sich  ausdriickt.  Das  in  zeitlichen  Sinne  gehrauchte  hie  vor
geht  von  der  räumlichen  Vorstellung  'vor  der  Stelle  an  der  wir  ihn
sehen’  aus.  Anderwärts  würde  man  hei  der  Nennung  des  Rheins  an  den
ganzen  Lauf,  an  die  kleinen  Anfänge  eben  sowohl,  wie  an  das  breitere
Bette  gedacht  haben,  und  der  Dichter  musste  sagen:  'der  Rhein
fliesst  zuerst  in  engem  Bette,  nachher’  usw.
Aber  dass  er  Rheinländer  war,  folgt  daraus  nicht.  Auch  seine
Sprache  zeigt  keine  mitteldeutschen  Spuren.  Denn  es  wäre  vorschnell
einen  Reim  wie  20,  14.  16  eren  :  lere  durch  den  thüringischen
Infinitiv  ere  genau  zu  machen.
Vielleicht  darf  man  hiermit  wie  mit  20,  25  sin  :  bi  die  Reime
Günthers  aus  dem  Forste  vergleichen,  falls  sich  bei  genauerer  Untersuchung ­
  herausstellt,  dass  er  wirklich  ein  Baier  ist:  sein  Wappen  in
der  Pariser  Hs.  stimmt  mit  dem  der  haierischen  Förster  (Hagen  4,477)
und  seine  Gedichte  sind  in  derselben  Quelle  mitten  unter  baieriscbösterreichischen
  überliefert.
Er  reimt  bei  von  der  Hagen  2,  164—168  (vergl.  MS.  2,  112  bis
115.  Heidelberger  Liederhs.  206—214)  Str.  8,  2.  4  erkös  :  erlöst;
36,  1.  3  künden  :  misseivcnden  (Conj.  Praet.).  Ausserdem  leide:
underscheiden  1,1.  sin  :  bi  1,  2.  geste  :  zergen  4,  2.  me  :  er  gen
13,  5.  ger  :  wem  14,  5.  tragen  :  sage  20,  5.  sin  :  bi  23,  5.  me:
er  gen  25,  5.  sagen:  tage  33,  1.  betiuten:  Hute  37,  I.  beliben  :  wibe
38,  1.  Dass  man  nicht  si  für  sin  schreiben  darf,  wird  durch  sin:  min
26,  2;  min  :  sin  34,  5  ausdrücklich  bewiesen;  und  auch  jenes  künden: ­
  missewqnden  tritt  für  den  Infinitiv  auf  -en  ein').  Das  Participium
  volant  15,  4,  wofür  wenigstens  das  Mhd.  Wh.  nur  mitteldeutsche ­
  Belege  gewährt,  möchte  ich  nicht  zu  hoch  anschlagen:
verant  und  ähnliches  aus  Gottfrieds  Trist,  lässt  sich  herbeiziehen  und
III.  Plur.  Praet.  veranten  aus  der  Wiener  GenEsis.  Ähnlich  setzt  der
Dichter  geblaut  31.  4:  er  braucht  eben  stumpfe  Reime.  Formen  wie

’)  Über  baierische  Infinitive  mit  Abstoss  des  n  handelt  Weinhold  Bair.  Gramm.  S.  293.
Aber  die  'alten  Belege’  sind  aus  dem  mitteldeutschen  Buche  der  Vorauer  Hdschr.
(Deukin.  S.  370)  genommen  und  Hessen  sich  leicht  vermehren,  besonders  durch
den  Heim  rxchi  :  giloni  Summa  tlieoi.  31,  1.  3.  Willkommen  dagegen  wären  die
Belege  aus  der  Tochter  Sion  30  und  der  Krone  311133.  Aber  an  letzterer  Stelle  (die
erstere  liegt  mir  nicht  vor)  ist  vehle  (:kni'htc)  nicht  der  Infinitiv,  sondern  das  bekannte ­
  Femininum.
            
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