298
Scherer
wie er sich ausdriickt. Das in zeitlichen Sinne gehrauchte hie vor
geht von der räumlichen Vorstellung 'vor der Stelle an der wir ihn
sehen’ aus. Anderwärts würde man hei der Nennung des Rheins an den
ganzen Lauf, an die kleinen Anfänge eben sowohl, wie an das breitere
Bette gedacht haben, und der Dichter musste sagen: 'der Rhein
fliesst zuerst in engem Bette, nachher’ usw.
Aber dass er Rheinländer war, folgt daraus nicht. Auch seine
Sprache zeigt keine mitteldeutschen Spuren. Denn es wäre vorschnell
einen Reim wie 20, 14. 16 eren : lere durch den thüringischen
Infinitiv ere genau zu machen.
Vielleicht darf man hiermit wie mit 20, 25 sin : bi die Reime
Günthers aus dem Forste vergleichen, falls sich bei genauerer Untersuchung
herausstellt, dass er wirklich ein Baier ist: sein Wappen in
der Pariser Hs. stimmt mit dem der haierischen Förster (Hagen 4,477)
und seine Gedichte sind in derselben Quelle mitten unter baieriscbösterreichischen
überliefert.
Er reimt bei von der Hagen 2, 164—168 (vergl. MS. 2, 112 bis
115. Heidelberger Liederhs. 206—214) Str. 8, 2. 4 erkös : erlöst;
36, 1. 3 künden : misseivcnden (Conj. Praet.). Ausserdem leide:
underscheiden 1,1. sin : bi 1, 2. geste : zergen 4, 2. me : er gen
13, 5. ger : wem 14, 5. tragen : sage 20, 5. sin : bi 23, 5. me:
er gen 25, 5. sagen: tage 33, 1. betiuten: Hute 37, I. beliben : wibe
38, 1. Dass man nicht si für sin schreiben darf, wird durch sin: min
26, 2; min : sin 34, 5 ausdrücklich bewiesen; und auch jenes künden:
missewqnden tritt für den Infinitiv auf -en ein'). Das Participium
volant 15, 4, wofür wenigstens das Mhd. Wh. nur mitteldeutsche
Belege gewährt, möchte ich nicht zu hoch anschlagen:
verant und ähnliches aus Gottfrieds Trist, lässt sich herbeiziehen und
III. Plur. Praet. veranten aus der Wiener GenEsis. Ähnlich setzt der
Dichter geblaut 31. 4: er braucht eben stumpfe Reime. Formen wie
’) Über baierische Infinitive mit Abstoss des n handelt Weinhold Bair. Gramm. S. 293.
Aber die 'alten Belege’ sind aus dem mitteldeutschen Buche der Vorauer Hdschr.
(Deukin. S. 370) genommen und Hessen sich leicht vermehren, besonders durch
den Heim rxchi : giloni Summa tlieoi. 31, 1. 3. Willkommen dagegen wären die
Belege aus der Tochter Sion 30 und der Krone 311133. Aber an letzterer Stelle (die
erstere liegt mir nicht vor) ist vehle (:kni'htc) nicht der Infinitiv, sondern das bekannte
Femininum.