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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Schere  r

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Nähe  der  Burgen  Walthers  von  Hausen  oder  Heinrichs  von  Gibichenstein
  gestanden  hätte.
Wir  nehmen  also  an,  dass  er.aus  Baiern  stammte.
Um  seine  literarischen  Voraussetzungen  zu  würdigen,  erinnern
wir  uns,  dass  am  Hofe  Heinrichs  des  Stolzen,  im  Jahre  1131  oder
1132,  der  Pfaffe  Konrad  sein  Rolandslied  vollendete  (Gödeke  Grundriss ­
  S.  22;  Schade  Decas  p.  63).  Ebendort  scheint  die  grosse  Compilation ­
  der  Kaiserchronik  unternommen  zu  sein,  die  im  Anfang  der
Vierziger  Jahre  bald  nach  dem  Tode  der  Kaiserin  Richenza  (19.  Juni
1141)  zum  ersten  Abschluss  gedieh  i).  Darin  wird  bekanntlich  gegen
die  Heldensage  und  zwar  speciell  gegen  Gedichte  aus  der  Dietrichsage ­
  polemisirt  (Gervinus  1,  181).  Mit  Bezug  hierauf  verwahrt  sich
der  fränkische  Spielmann,  der  im  Interesse  haierischer  Adelsgeschlechter ­
  den  König  Rother  dichtete,  man  dürfe  sein  liet  nicht
mit  den  'anderen’  gleichstellen  (4783),  es  sei  nicht  von  lügenen
gedilitet  (3484).
Wie  die  Verfasser  des  Roland  und  Rother  Franken  waren  und
die  Kaiserchronik  mindestens  vielfach  aus  fränkischen  Quellen
schöpfte,  so  wird  auch  das  älteste  Gedicht  von  Herzog  Ernst  zwar
von  einem  niederrheinischen  Spielmanne,  aber  wohl  in  Baiern  gedichtet ­
  sein,  wo  inanes  vor  1186  las,  wo  der  Stoff  in  höfischen
Kreisen  gaüz  besonders  beliebt  war  (Helmbr.  935)  und  wo  die
beiden  Bearbeitungen  zu  Ende  des  12.  (?)  und  zu  Ende  des  13.  Jahrhunderts ­
  gemacht  wurden  (Bartsch  S.  XXXVI.  LVII).
Weniger  sicher  gehört  der  Priester  Wernher  hierher,  dessen  drei
Liedern  von  der  heil.  Jungfrau  man  Albers  Tungdalus  und  den  heil.
Ulrich  von  Albertus  als  fernere  Muster  baierischer  Legendenpoesie
zur  Seite  stellen  kann.
Das  merkwürdige  Gedicht  vom  Himmelreich  (Zs.  8,  143),
der  Messgesang  (Denkm.  Nr.  46)  und  das  patriotische  Osterspiel
vom  Antichrist  (Pez  Thesaur.  anecd.  2,  3,  185)  mögen  das  Bild  der

O  Ich  komme  hierauf  wie  auf  die  ganze  Lilteratur  des  elften  und  zwölften  Jahrhunderts
  in  der  Folge  dieser  Studien  zurück.  Doch  will  ich  gleich  hier  daran  erinnern, ­
  dass  es  damals  vorzugsweise  baierische  Kräfte  waren,  welche  dem  Particulapismus
  der  deutschen  Stämme  entgegen  arbeiteten’  (Giesebrecht  über  einige
ältere  Darstellungen  der  deutschen  Kaiserzeit  S.  8)  und  die  Geschichte  im  kaiserlichen ­
  Sinne  behandelten  (Giesebrecht  a.  0.  S.  13  ff.).
            
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