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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

Deutsche  Studien.  I.

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Drohung:  'Wenn  du  mich  nicht  freundlich  behandelst,  so  sind  wir
geschiedene  Leute.’  Seine  Worte  sind:
liebe  meistert  wol  den  kouf:
so  scheidet  schade  die  mdge.
'Bei  gegenseitiger  Zuneigung  und  Freundlichkeit  wird  leicht  ein
Kauf  abgeschlossen:  dagegen  sieht  man,  dass  selbst  Verwandte  sich
trennen,  wenn  ihnen  Schaden  aus  ihrer  Verbindung  erwächst.’  (Vergl.
Marner  C  51,  Hägens  Minnes.  2,  244 b  schade  scheidet  liebe  mdge.)
So  werde  auch  ich  mich  von  dir  trennen,  will  er  sagen,  —  ich,  der
ich  gar  nicht  einmal  mit  dir  verwandt  bin  —  wenn  ich  nichts  als
Schaden  von  dir  habe.
Ähnlich  scheint  der  Dichter  in  22,  1  mit  dem  biderben  man
sich  selbst  zu  meinen  und  den  Werth  zu  betonen,  den  seine  Freundschaft ­
  und  Ergebenheit  für  den  herren  (vielleicht  denselben,  den
21,  29  angeht)  haben  könne,  wenn  diesem  widersaget  würde.  Man
stellt  sich  unwillkürlich  eine  Fehde  vor,  worin  der  Dichter  auf
der  einen  Seite  steht  und  die  Gegner  mit  Spotlliedern  überschüttet
(wie  solche  in  20,  1  und  23,  21  erhalten  scheinen),  während  er
die  eigene  Partei  ermuntert  und  tröstet.  Ein  solches  Trostgedicht
nach  einem  Misserfolg  ist  offenbar  20,  25,  wo  die  Anrede  an
vil  stolze  lielde  (vergl.  Haupt  Zs.  13,  326)  den  Gedanken  an  eine
Schlacht  so  nahe  legt,  dass  Lassberg  (Briefw.  mit  Uhland  S.  85),
in  argem  Irrthum  über  das  Zeitalter  des  Verfassers,  eine  Anspielung
auf  die  1315  verlorene  Schlacht  bei  Morgarten  darin  erblicken
konnte.  Als  ein  Trostgedicht,  wenngleich  mit  anderer  Beziehung,
kann  man  auch  22,  25  betrachten.  —
Nach  allem  Vorangegangenen  glaube  ich,  wir  können  kaum
anders,  als  die  hohe  Wahrscheinlichkeit  zugestehen,  dass  jeder  der
beiden  Töne  von  einem  besonderen  Dichter  herrührt.
Welcher  von  diesen  Dichtern  hi  ess  Sper  Vögel?
Ich  denke  der  Verfasser  des  ersten  Tones.  Unmittelbar  vor  den
Gedichten  dieser  Strophenform  steht  der  Name  in  AC.  Und  nur
Strophen  der  ersten  Form  überliefert  ein  von  AC  unabhängiger
Zeuge,  die  Hdschr.  J,  als  Spervogelisch.  Auch  eine  der  in  AC  erhaltenen ­
  Strophen  selbst  lässt  sich  zur  Bestätigung  herbeiziehen:  ich
meine  20,  17—24.
In  dem  vorhergehenden  Spruche  heisst  es  am  Schlüsse  (man)
ueme  ze  wisem  manne  rat  und  volge  auch  siner  lere.  Darauf  bezieht
19"
            
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