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Deutsche Studien. I. 289
Mail» ist: soll der noch am Ende seines Lebens eine neue Dichtweise
ergriffen, den Forderungen einer jüngeren Mode so weit gehende
Concessionen gemacht haben?
Und nicht bloss in der äusseren Kunstform, auch innerlich müsste
er ein anderer geworden sein.
Sprüche geistlichen Inhaltes hätte er gar nicht mehr gemacht,
während andere Dichter sich gerade in höherem Alter dieser Richtung
eher zuwenden.
Auch die Thierfabel wäre von ihm nicht mehr gepflegt worden.
Die Parabel ist auf 23, 29 beschränkt, und 23, i 3 ist eine Nachahmung
von 29, 13 (vergl. Walther 20, 31) wie wohl niemals ein
Dichter sich selbst nachahmen wird. Die innere Verschiedenheit wird
durch die äussere Verwandtschaft nur heller ins Licht gesetzt.
Während er von geistlicher Dichtung und Thierfabel sich abwendet,
hätte der Dichter die Priamel neu aufgenommen, die er
früher verschmähte.
Das Starre, Trockene, oft Unverbundene und Steife seines Vortrages,
der sich meist dicht an dem Thatsächlichen hält, müsste er
abgestreift haben. Die frühere persönliche und individuelle Weise
hätte sich zurückgezogen, um einer abstracteren verallgemeinernden
Platz zu machen. Alle Nennung von Namen der Gönner oder Genossen
wäre verbannt, die Anspielungen auf die Heldensage verschwunden.
Noch immer sind die Gedichte wahrscheinlich vorzugsweise
Gelegenheitspoesie. Aber die Veranlassung lässt sich oft schwer erkennen,
und manchmal kann man gar nicht sagen, ob eine Strophe
überhaupt durch einen bestimmten Anlass hervorgerufen ist oder
nicht. 24, 1 kann ebensowohl ein Spottgedicht auf eine Dame sein,
als ein Lohgedicht: und so wie es sich gibt, ist es weder das eine
noch das andere, sondern eine blosse Gnome.
So weiss man auch mehrfach nicht, ob der Dichter von eigener
Erfahrung ausgeht oder von einer fremden, der er nur als Zuschauer
gegenüber steht. Darum sind die Lehensverhältnisse des Dichters und
seine Beziehungen zu Protectoren, die im zweiten Tone so offen daliegen,
hier sehr versteckt.
Nur dass auch hier ein armer Fahrender redet, erhellt mit Bestimmtheit
aus der schon erwähnten nachgeahmten Strophe 23, 13
und wohl auch aus 22, 33: 'Wer mich schlecht behandelt, weil ich
Sit/.l,. (I. phii.-hist CI. LXIV. Bd. I. Hft.
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