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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Scherer

germanischen  Epos,  gesungen  wurden.  Beachtenswert,  dass  die
Namen  der  Heldensage,  welche  die  Gedichte  des  zweiten  Spervogeltons
  erwähnen,  Fruot  und  Rüedeger,  gerade  auch  in  den  genannten
Werken  Vorkommen.
Dem  gegenüber  nun  der  erste  Spervogelton.
Man  sieht,  dass  der  zweite  zu  Grunde  liegt  und  umgestaltet
wurde.  Aber  die  Methode  der  Umgestaltung  ist  nicht  mehr  die  volkstümliche. ­
  Zwar  dass  die  Waise  (von  4  Heb.  stumpf)  auch  der
dritten  Reimzeile  vorgeschoben  erscheint,  hat  nichts  auffallendes.
Auch  dass  die  dritte  und  vierte  Reimzeile  wie  bei  Wolfram  einander
gleich  gemacht  sind,  aber  in  umgekehrtem  Sinne,  so  dass  beide  nun
drei  Hebungen  zählen,  möchte  noch  hingehen.  Aber  ganz  im  Geiste
der  höfischen  Kunst  ist  die  Verlängerung  der  beiden  ersten  Zeilen
auf  je  sechs  Hebungen.  Und  in  jener  Umgestaltung  des  letzten  Reimpaares ­
  hatte  der  Dichter  einen  Vorgänger  in  dem  Verfasser  von  MF.
30,  34.  Sein  eigenes  Werk  ist  also  gerade  nur  die  Verlängerung.
Im  zweiten  Tone  mithin  volkstümliche,  im  ersten  eine  Bildung
mehr  höfischer  Kunst.
Ferner:  im  zweiten  Ton  finden  sich,  wie  in  den  Nibelungen,  bei
aller  Anerkennung  des  Unterschiedes  zwischen  stumpf  und  klingend,
doch  noch  zweisilbige  offenbar  stumpfe  Reime,  die  ohne  Regel  für
die  stumpfen  der  beiden  ersten  Reimpaare  eintreten.  So  etwas  kommt
im  ersten  Ton  nicht  mehr  vor.
Dazu  treten  ganz  verschiedene  Stufen  der  Genauigkeit  des
Reimes.  Wir  treffen  in  den  28  Strophen  des  zweiten  Tons  die  consonantisch
  ungenauen,  theils  stumpfen,  theils  klingenden,  theils  zweisilbig ­
  stumpfen  Reime  26,  22  benam  :  man;  27,  3  erarget  :  darbet',
27,  13  grcewä  :  alwwre;  27,17  stige  :  schriet;  27,  29  leben:
pflegen;  28,  8  grinen  :  vermiden;  28,  13  starc  :  wart;  28,  17
eine  :  teile;  29,  6  länge  :  manne;  29,  13  härte  :  gärten;  29,  24
teilen  :  leide;  29,  34  ere  :  seid;  30,  20  tage  :  grabe;  30,  22
heiser  :  weisen  (30,  6  man  :  gdn  kommt  nicht  in  Betracht).  Dazu
der  vocalisch  ungenaue  30,  27  wäldes  :  goldäs.  Dem  gegenüber
stehen  in  den  33  Strophen  des  ersten  Tones  nur  20,  14  eren  :  lere;
20,  25  sin  :  bi;  denn  24,  1  an:  entstän;  24,  19  dan:  getan  bringe
jch  wieder  nicht  in  Anschlag.  Also  zwei  Beispiele  gegen  dreizehn  und
zwei  Beispiele  der  leichtesten  Art.
            
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