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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 64. Band, (Jahrgang 1870)

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Höfler,  Über  Hannibul’s  Zug  nach  Etrurien.  217  n.  Ch.

Spitze  der  ganzen  strategischen  Operation  in  sich
schloss.  Mochte  aber  nun  auch  Picenum  verheert  werden,  die
Stellung  Hannibal’s  blieb,  so  lange  die  Städte  sich  hielten,  eine  überaus ­
  bedenkliche.  Gelang  es  ihm  nicht  die  Römer  zum  Schlagen,  die
Städte  zum  Abfalle  zu  bringen  —  und  dafür  konnte  der  Senat  sorgen, ­
  so  war  der  zweite  Theil  des  Feldzuges  ein  militärischer  Spaziergang ­
  und  konnte  er  sich  in  Acht  nehmen,  dass  ihm  nicht  der  Rückzug ­
  verlegt  werde.  Er  seihst  war  jetzt  auf  auswärtige  Hilfe,  sei  es
von  Macedonien,  sei  es  von  Spanien  oder  Afrika,  angewiesen.  Drei
Siege  hatten  ihn  noch  nicht  dahin  geführt,  einen  festen  Platz  in  Italien ­
  sein  nennen  zu  können.  So  vortrefflich  hatten  die  Römer  Italien
seit  Pyrrhos  verwahrt.  Hannibal  aber  hlieh  jetzt  nichts  anderes  übrig,
als,  ohne  einen  Stützpunkt  zu  besitzen,  wie  der  König  von  Epirus
einen  an  Tarent  besessen,  den  Feldzug  wie  dieser  vom  Süden  aus
zu  führen,  wo  ihn  Rom  in  einen  Festungskrieg  verwandeln  konnte
und  die  festeste  Defensivstellung  besass,  welche  man  sich  nur  vorstellen ­
  konnte.
Wie  sonderbar  ist  es  da  anzunehmen,  dass  Hannibal’s  Absicht  stets
gewesen  wäre,  vom  Süden  aus  Rom  zu  bekämpfen  •),  während  er  den
Hauptstoss  vom  Norden  aus  unternahm  und  erst,  als  dieser  misslang,
sich  nach  dem  Süden  warf,  von  dieser  Seite  aus  aber  selbst  nach
der  ungeheuren  Niederlage  der  Römer  bei  Cannae  nicht  vorzudringen
wagte.  Als  er  es  dennoch  that,  geschah  es  später  um  Capua  zu
retten,  das  im  Süden  für  ihn  durch  den  Abfall  der  Capuaner  geworden
war,  was  Spoletium  im  Norden  für  ihn  werden  sollte,  aber  nicht
ward.  Immer  war  das  Ziel  Hannibal’s  Rom  und  musste  es  Rom
stets  sein.  Vor  Allem  aber  als  er  vom  Norden  kam.  Als  er  vom
Süden  sich  gegen  Rom  aufmachte,  war  es  ein  verzweifelter  Schachzug, ­
  an  dessen  Gelingen  er,  wenn  die  Römer  seit  dem  Tage  von  Cannae ­
  nur  etwas  Vorsicht  gelernt  halten,  selbst  am  wenigsten  denken ­
  konnte.  Aber  er  hatte  wenigstens  Rom  gesehen  und  den  Versuch ­
  gemacht  Capua  vor  dem  entsetzlichen  Schicksale  zu  retten,  dem
nun  die  verrätherische  Stadt  erlag.
D  Auch  [hne  (römische  Gesch.  II.,  S.  182,  welche  ich  erst  jetzt  benützen  kann.)
huldigt,  noch  dieser  Meinung.
            
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