24
Höfler, Über Hannibul’s Zug nach Etrurien. 217 n. Ch.
Spitze der ganzen strategischen Operation in sich
schloss. Mochte aber nun auch Picenum verheert werden, die
Stellung Hannibal’s blieb, so lange die Städte sich hielten, eine überaus
bedenkliche. Gelang es ihm nicht die Römer zum Schlagen, die
Städte zum Abfalle zu bringen — und dafür konnte der Senat sorgen,
so war der zweite Theil des Feldzuges ein militärischer Spaziergang
und konnte er sich in Acht nehmen, dass ihm nicht der Rückzug
verlegt werde. Er seihst war jetzt auf auswärtige Hilfe, sei es
von Macedonien, sei es von Spanien oder Afrika, angewiesen. Drei
Siege hatten ihn noch nicht dahin geführt, einen festen Platz in Italien
sein nennen zu können. So vortrefflich hatten die Römer Italien
seit Pyrrhos verwahrt. Hannibal aber hlieh jetzt nichts anderes übrig,
als, ohne einen Stützpunkt zu besitzen, wie der König von Epirus
einen an Tarent besessen, den Feldzug wie dieser vom Süden aus
zu führen, wo ihn Rom in einen Festungskrieg verwandeln konnte
und die festeste Defensivstellung besass, welche man sich nur vorstellen
konnte.
Wie sonderbar ist es da anzunehmen, dass Hannibal’s Absicht stets
gewesen wäre, vom Süden aus Rom zu bekämpfen •), während er den
Hauptstoss vom Norden aus unternahm und erst, als dieser misslang,
sich nach dem Süden warf, von dieser Seite aus aber selbst nach
der ungeheuren Niederlage der Römer bei Cannae nicht vorzudringen
wagte. Als er es dennoch that, geschah es später um Capua zu
retten, das im Süden für ihn durch den Abfall der Capuaner geworden
war, was Spoletium im Norden für ihn werden sollte, aber nicht
ward. Immer war das Ziel Hannibal’s Rom und musste es Rom
stets sein. Vor Allem aber als er vom Norden kam. Als er vom
Süden sich gegen Rom aufmachte, war es ein verzweifelter Schachzug,
an dessen Gelingen er, wenn die Römer seit dem Tage von Cannae
nur etwas Vorsicht gelernt halten, selbst am wenigsten denken
konnte. Aber er hatte wenigstens Rom gesehen und den Versuch
gemacht Capua vor dem entsetzlichen Schicksale zu retten, dem
nun die verrätherische Stadt erlag.
D Auch [hne (römische Gesch. II., S. 182, welche ich erst jetzt benützen kann.)
huldigt, noch dieser Meinung.